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Erstbefahrungen | Befahrungsberichte | Expeditionen | Unfallmeldungen

Expeditionen

Die Leiter aller größeren Expeditionen nahmen Anfang des vorigen Jahrhunderts Faltboote mit um Neuland erforschen zu können. Bei folgenden Expeditionen kamen Klepper-Faltboote zum Einsatz:
  • 1909 - der Engländer C.E.Layton überquert den Ärmelkanal
  • 1923 - Karl Schott, Deutschland-Indien-Expedition
  • 1926 - Roald Amundsen, Nordpol-Expedition
  • 1928 - Kapitän Franz Romer, Atlantiküberquerung
  • 1928 - Admiral Byrd, Südpol Expedition
  • 1928 - Sven Hedin, Asien Erforschung
  • 1929 - Dr.Bernatzik, Südsee-Expedition
  • 1930 - Max Grühl, Deutsche Kaffa-Expedition
  • 1930 - Wegener Grönland-Expedition
  • 1935 - Dr. Sorge, Spitzbergen Expedition
  • 1954 - Herbert Rittlinger, Oberer Nil und Sudan
  • 1955 - Hans Ertl, Anden-Amazonas Expedition
  • 1956 - Dr.Hannes Lindemann,Atlantiküberquerung
Expeditionen mit anderen bzw. unbekannten Bootstypen:





Wegeners Grönland-Expedition.
1930/31 Überwintern Ernst Sorge (Foto links, Glaziologe), Johannes Georgi (Foto rechts, Leiter von Wegeners Station Eismitte) und Fritz Loewe auf der grönländischen Forschungsstation 'Eismitte'. (Foto: Archiv Klepper-Museum)

1886, Forschungsreise Deutsch-Südwestafrika

1886 reiste Lüderitz noch einmal nach Angra Pequena, um die Schiffahrtsverhältnisse des Orangeflusses zu untersuchen. Sein leichtes, zerlegbares Boot konnte jedoch die Barre nicht passieren und Lüderitz gab den Plan auf. Er versuchte dann in einem kleinen offenen Boote die Alexanderbucht zu kreuzen, ist jedoch nicht an den Bestimmungsort gelangt, und es wird angenommen, daß er auf dem Meer verunglückte. (Conrad Weidmann, Deutsche Männer in Afrika, 1894)

1895, Nansen und Johansen



Das Polarzimmer des Ski-Museums in Oslo. Die Kajaks von Fridtjof Nansen (1861-1930) und Fredrik Johansen (1867-1913). (Quelle: Kanusport/Faltbootsport 1929)

1923,1925, Karl Schott's Orientfahrten



Karl Schott in Albanien

Wohlvorbereitet trat Schott im April 1923 eine Fahrt von Neuburg a.d. Donau abwärts in den Orient an. Schott war kein Neuling auf dem Wasser. Zweimal schon war er vorher die Donau abwärts gepaddelt bis zum Schwarzen Meer. Nach acht Monaten Fahrt kam er in Kairo an. Seinen Plan, den Nil aufwärts zum Sudan zu reisen, konnte er nicht mehr verwirklichen, da dort Aufständerausgebrochen waren.
Seine zweite Großfahrt und seine vierte Orientfahrt überhaupt trat Karl Schott im Juli 1925 an. Diesmal startete er in Riva am Gardasee, paddelte zur Adria hinunter, segelte an der Küste Dalmatiens durch die Straße von Korinth zum Piräus. Nach langen Verhandlungen mit den Behörden wurde ihm gestattet, den Euphrat zu befahren. Über Bagdad und Basra erreichte er nach dreizehn Monaten den Persischen Golf. 14000 Kilometer wurden auf dieser Reise zurückgelegt. Sein Faltboot wurde später im Deutschen Museum in München zur Schau gestellt. (Foto und Text: Ludwig Dinklage, Vom Wasser nicht wegzuprügeln, 1940)

1925, Deutsche Spitzbergen-Expedition
unter der Leitung von Dr. W. Ankersen, Nürnberg.

Die erste nach dem Kriege ausgeführte deutsche Spitzbergen-Expedition hat in Zusammenarbeit mit der Marine, der Geographischen Gesellschaft, der Seewarte Hamburg und einigen Universitäten reiches wissenschaftliches Material nach Hause gebracht. .... Unter Verwendung zweier Faltboote wurden Küstenaufnahmen, Lotungen und Gezeitenmessungen in der Magdalenenbucht ausgeführt, die bisher zum großen Teil im nördlichen Eismeer gefehlt haben.
Besonders interessant ist die Beobachtung, dass die Faltboote mit ihrer Gummihaut ein ausgezeichnetes Wasserfahrzeug auch für jene oft stark vereisten Gewässern sind.



Sie leisteten der Expedition infolge ihrer Wendigkeit, leichten Transportfähigkeit und großen Stabilität wertvolle Dienste bei Seehund- und Vogeljagden sowohl, als auch bei ausgedehnten Küstenfahrten in schwerem Wetter und Treibeis. (Text & Foto: W.Ankersen, 1925)

1928 - Kapitän Franz Romer, Atlantiküberquerung

Der deutsche Kapitän Franz Romer brach im März 1929 in Lissabon zu seiner Atlantiküberquerung auf. Infolge starken Sturms musste er seine Fahrt, die unter 'Kapitän Romers Sturmfahrt' bekannt wurde, auf den Kanaren unterbrechen.

Sein extra für die Fahrt angefertigtes Klepper-Faltboot war 6,50 m lang, 1 m breit und wog beladen 73 kg. Für die Strecke Las Palmas - Saint Thomas (US Insel in der Karibik) benötigte er 58 Tage. Auf seiner Weiterfahrt Richtung New York ist Kapitän Romer verschollen.







(Fotos, Archiv Kleppermuseum und Archiv Kanusport)

1956 - Dr.Hannes Lindemann, Atlantiküberquerung

Dr. Hannes Lindemann startete 1956 zu seiner Atlantiküberquerung. Als Boot diente ihm ein handelsüblicher, zweisitziger Aerius II von der Firma Klepper. Im Boot waren 70 kg Proviant und diverse Ausrüstungsgegenstände verstaut. Nicht dabei war ein Kocher. Die gefangenen Fische wurden roh verzehrt. In seinem Buch ‚Allein über den Ozean’ beschreibt Lindemann ausführlich seine Erlebnisse während der Fahrt und die Möglichkeit unter extremer psychischer und physischer Belastung zu überleben.



(Dr.Lindemann, Zeitungsbericht 1957)

Oskar Speck (1907-1995), von Ulm bis Australien



Kurskarte Speck (Dinklage, L., 1940)

1932, nach der Weltwirschaftskrise, paddelte Oskar Speck von Ulm die Donau abwärts und fuhr über Wardar, Ägäis, Syrien, Euphrat, Persichen Golf, Vorder- und Hinterindien, Sumatra, Java, Bali, Neuguinea bis Australien. Die Strecke bewältigte er in einem Pionier-Zweier. In Saibai Island (Australien) wurde er im September 1939 als Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg bis 1945 interniert. Heute findet man seine Ausrüstung im Austalian National Maritime Museum in Sydney. (Quellen: Wikipedia, H.Rittlinger, 1950)

Nil-Expeditionen
Auszüge eines Berichts von Herbert Rittlinger


Dem Franzosen Jean Laporte und seiner Equipe ist in drei Expeditionen die erste Befahrung des Weißen Nils von seiner Quelle ab - 6694 km bis zum Mittelmeer - gelungen. Dabei ein tödlicher Unfall: Ein Kamerad war vermutlich durch ein Hippo zum Kentern gebracht worden und ist den Krokodilen zum Opfer gefallen - er konnte nicht mehr aufgefunden werden.



Die ersten, die jemals eine Befahrung des Blauen Nils in Äthiopien, der zwischen Tanasee und Sudan auf 900 km Länge einen gewaltigen Cañon durchströmt und das wilde Bergland von Godscham umzieht, versucht haben sind der Verfasser (Herbert Rittlinger), seine Frau und seine Kameraden Peter Frank und Helene Kessler. Mit den 'Sciftas', die wir als alte, ehrliche abessinische Berufsräuber ansahen, hatten wir manchen Strauß auszufechten. Doch wir paßten auf und waren gut bewaffnet. Trotz dieser vorzüglichen 'zwischenmenschlichen' Beziehung haben wir nach etwas über 100 km die Befahrung abbrechen müssen - wegen allzu vieler Angriffe wütender Krokodile von einer Größe, wie ich sie vorher für gar nicht mehr existent auf dieser Welt gehalten hatte. Wahrscheinlich waren wir bei dem Niederwasser gerade in eine Hungerperiode dieser Letzten einer aussterbenden Riesenspezies geraten. Jedenfalls ist es uns an die Nerven gegangen.

Im Jänner 1962 ist eine gut vorbereitete und - auf Grund unserer Krokodil-Erfahrungen - mit drei großen dreisitzigen Poyyester-Kanadiern ausgerüstete Schweizer Expedition zum Blauen Nil aufgebrochen, um den Cañon endgültig zu befahren. Leiter des achtköpfigen Teams war Dr.Amoudruz vom Canoe Club de Genève, Ethnologe. Die Expedition hatte kein Glück. Eine Nachricht aus Addis Abeba lautete: "Wir waren gerade im Begriff, dier erste vollständige Befahrung des Cañons des Abai (Blauer Nil) zwischen der Brücke von Godscham und einem Schiogali genannten Ort - 450 km Schluchten in unbekanntem, unkartograpiertem Gebiet - zu vollenden, als unser vorletztes Lager von Briganten überfallen wurde. Dr.Stanley Walter und Henry Kadrnka sind getötet worden. Dr.Amoudruz, Freddy Morel, Mechel Weber sind verwundet und von Jean Laporte von Jules Detry und Louis Beaudet aufgefunden worden. Daß sie davongekommen sind, ist nur mit einer Reihe von Wundern zu erklären."

Im Jahre 1968 hat eine britisch-äthiopische Militär-Expedition der Militär-Akademie Sandhurst den gesamten Cañon bis zur Didessa-Mündung geschafft.

Nach einem 1970 gescheiterten Versuch haben drei Jahre später die Hamburger R.Nehberg und seine Kameraden H.Finck und M.Teichmann den Cañon in einem selbstgebauten Boot bezwungen. Als voräufig letzter in der Kette unglücklicher Blauer-Nil-Fahrer ist 1975 Michael Teichmann einem Überfall der Sciftas zum Opfer gefallen.

(Quellen: Herbert Rittlinger, 1977
www.kanu-oberbayern.de)

Heinz Peppenberger

Tragisch endete die Expedition von Heinz Peppenberger und seinen vier Kameraden. 1931 fuhren sie die Donau abwärts nach Ostasien. Drei seiner Kameraden kamen vor Aden in einem Monsunsturm ums Leben, der vierte starb in Indien. Peppenberger selbst hat nach 43 000 km Fahrt Hongkong erreicht. 1938 ist er dort an der Tropenruhr verstorben. (Quellen: H.Rittlinger, 1950, A.Kranzl und E.Hollaus, 2004)

© Ilse Entner