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Flussbeschreibungen | Schwierigkeitsbewertung | Befahrungsregeln | Flussverbauungen

Befahrungsregeln und Berechtigungsscheine



Foto: Kanu-Sport, 1927

Grenzverkehr mit Booten nach Österreich, 1927

Durch Beschluß des österreichischen Bundesministeriums für Finanzen wurde dem Deutschen Kanu-Verband für seine Mitglieder beim Ueberschreiten der österreichischen Grenze mit Kanadiern, Kajaks und Faltbooten die Verwendung von Triptyks mit sofortiger Wirksamkeit genehmigt.
Hierzu wird folgendes bestimmt:
  • Triptyks werden bei Bedarf gegen Voreinsendung von RM 1,- Gebühr bei der zuständigen Kreisgeschäftsstelle angefordert.
  • Der Inhaber haftet für alle aus mangelhafter Vollziehung oder Verlust des Triptyks entstehenden Kosten seinem Kreis gegenüber, der Kreis wieder dem Verband gegenüber.
  • Die Kreise führen über die von ihnen ausgegebenen Triptyks eine genaue Liste.
  • Die Kreise melden ihren Bedarf an Triptyks an bei Dr.Eckert, München. (Dr.Eckert, 1927)

Grenzübertritt nach Österreich, 1950

Auf eine Anfrage des Bayerischen Kanuverbandes teilte das Bayerische Landeskommissariat Rosenheim mit, dass für Urlauber, die sich einige Wochen im Grenzbezirk aufhalten, auch heute noch keine Möglichkeit zum Grenzübertritt nach Österreich besteht. Nach den Bestimmungen der Militärregierung für Bayern dürfen Grenzübertrittscheine für den kleinen Grenzverkehr nur an Grenzanwohner (Personen, die mindestens sechs Monate ihren festen Wohnsitz im Grenzgebiet haben) ausgestellt werden und nur wenn entsprechende Gründe (Berufs- und Geschäftsausübung, Wiederherstellung der Gesundheit, Bewirtschaftung eigenen Grundbesitzes) vorliegen. Für Ausflugs- und Besuchszwecke können selbst Grenzanwohnern Grenzübertrittscheine nicht ausgestellt werden. (Quelle: Max Schmid, 1950)


Bootseinreise nach Ungarn, 1927

Bis vor kurzem vollzog sich die Bootseinreise nach Ungarn verhältnismäßig glatt; meist kam man sogar ohne Depot durch. Gemäß einer Abmachung mit dem Oe.K.V. hatte sich unser Verband ängstlich gehütet, an dies rohe Ei zu tippen. Nun aber, im Gefolge einer ebenso gutgemeinten wie unzweckmäßigen Anfrage, hat die Budapester Oberzolldirektion Erhebungen über den Umfang des Sportbootverkehrs namentlich auf der Donau angestellt. Als deren Ergebnis ist vermutlich eine vor wenigen Tagen erfolgte Neuregelung der Verzollung für Faltboote anzusehen.

Nach den vorliegenden Nachrichten wird für Faltboote pro Meter ein Zoll von 150 Pengö (etwa 150,-RM) erhoben. Der Betrag wird sechs Monate nach der Ausreise zurückerstattet, und zwar muß er abgeholt werden; eine Rücksendung findet nicht statt.

Wenn diese Nachrichten sich bewahrheiten (und es ist doch kaum anzunehmen, daß etwa der Zollbeamte sich schlechte Witze gestattet), so ist damit der Faltbootverkehr auf der ungarischen Donau lahmgelegt, da wir mit dem kleinen Boot nicht daran denken können, auf dem internationalisierten Strom ohne Anlegen durchzufahren. Der Zweck dieser Maßregel ist zunächst unklar; in die Geheimnisse der höheren Diplomatie dringen ja gewöhnliche Sterbliche meist nur mit erheblichem Schütteln des Kopfes ein.

Jedenfalls sind bereits Schritte unternommen, um den Wortlaut der Verfügung herbeizuschaffen! Sodann können die Verhandlungen beginnen. Man wird aber gut tun, aus seinem heurigen Reiseprogramm den Namen dieses gastlichen Landes zu streichen.

Erwünscht sind Nachrichten von Kameraden, die in Szob oder sonstwo an der ungarischen Grenze nach dem 15. Juli den Uebertritt versucht haben, über ihre Erfahrungen. (D.K.V. Walther, 1927)


Einreise nach Deutschland, 1927

Grenzverkehr von Angehörigen des Ö.K.V. mit Deutschland

Der Präsident des Landesfinanzamtes München verfügte unter Nr.4637, daß in Zukunft gebrauchte Faltboote nebst Zubehör sowohl als Reisehandgepäck als auch in aufgebautem Zustand auf dem Wasser zollfrei in Deutschland eingeführt werden können. Der gleichen Zollbehandlung unterliegen und in unbedenklichen Fällen auch neue Faltboote von österreichischen Reisenden; andernfalls sind neue Faltboote gegen Zollhinterlegung zollamtlich vorzumerken. (Dr.Eckert, Faltbootobmann, 1927)


Grenzübertritte mit dem Boot, 1928/29

  • Oesterreich: mittels Triptyques
  • Ungarn: Depot von 130 Goldkronen pro 100 kg und Vorführungsgebühr. Verhandlungen wegen Triptyques stehen vor dem Abschluß
  • Tschechoslowakei: Häufig als Sportgeräte frei, sonst Depot in wechselnder Höhe. Verhandlungen wegen endgültiger Regelung (triptyque) scheinen dem Abschluß nahe
  • Schweiz: Behandlung verschieden; am Oberrhein gewöhnlich mit ganz geringem Depot. Verhandlungen wegen Erleichterung im Gange
  • Italien: Auf dem Brenner Zoll von zirka 15 bis 20 Mark pro Boot, an den Seen Depot in ähnlicher Höhe, das auch auf dem Brenner zurückbezahlt wird. Verhandlungen im Gange
  • Südslawien: Depotgestellung ist Regel. In Belgrad selbst beträgt es bis 100 Mk.
  • Rumänien: Nach dem Buchstaben ist Bootsverkehr auf Donau und Nebenflüssen zoll- und depotfrei. Meldepflicht für die Bemannung jeden Morgen beim nächsten Polizeiposten
  • Bulgarien und Türkei: nicht bekannt
  • Dänemark, Schweden, Norwegen, England: Zoll- und depotfrei
  • Holland: Depotfrei, Meldung in Emmerich notwendig
  • Frankreich: Depot von zirka 300 frs. ist Regel bei Deklarierung des Wertes mit 1000 Frs.
  • Belgien: Nur ein Fall bekannt; damals wurden 30 Prozent des Wertes als Zoll verlangt
  • Andere Staaten: Nicht bekannt
Vorstehende Angaben gelten nur für Mitglieder des DKV. In allen Zweifelsfällen versehe man sich mit Bescheinigung der deutschen Ausfuhrstation über Absicht der Wiedereinfuhr. Für mehrere Staaten ist es zweckmäßig, bei der betreffenden Gesandschaft um Bescheinigung als Sportfahrt zu bitten; in diesem Falle Erleichterungen wahrscheinlich, darüber hinaus zu verbuten, dass die Schreibarbeit zu Erleichterungen genereller Art führt. (Quelle: DKV-Wanderbuch, 1928/29).

Zur Abkürzung MK.: laut wikipedia.org bezeichnete man die deutsche Währung der Jahre 1924 bis 1948 als Reichsmark. Davor war es die Mark.


Die Wassersportgebiete, 1946

Nach der Aufteilung unseres Vaterlandes in vier Besatzungszonen, ist eine ganze Reihe schöner und herrlichster, ehemals leicht zu erreichender und gern befahrener Wassersportgebiete in der russischen Zone vorläufig von Wassersportlern der Westzonen nich zu befahren. (Wasserwanderführer, Heft 11/12, ca. 1946)


Befahrungsempfehlung für die Werra

Mit ihren romantischen Felshöhen und Bergen, den altertümlichen Städtchen ist sie vom Einsatzort Menningen an bis etwa Altenburschla im russisch besetzten Gebiet dem Befahren einstweilen entzogen. Erst ab Oberrieden, 10 km unterhalb Bad Sooden_Allendorf, ist eine Fahrt zu empfehlen und bietet immer noch genug an landschaftlichen Schönheiten. Die Fahrt ab Großburschla, wo die russische Zone rechts bis an den Fluß reicht, kann zwar angetreten werden, ist aber keineswegs mit Sicherheit auf Nichtbehinderung durch russische Streifen und Grenzposten oder sonstiger Unannehmlichkeiten ernster Art, die sich daraus ergeben,anzuraten.

Schleusengebühren bis 1945: Einzelschleuser 36 Pfennig, Gruppen 18 Pfennig, Bootsschleppen 9 Pfennig
Tagesleistung etwa 30-45 Kilometer
(Wasserwanderführer, Heft 11/12, ca. 1946)


Steinhuder Meer, 1927

Das Befahren des Steinhuder Meeres mit Faltbooten ist nur gegen Lösung einer Fahrterlaubniskarte gestattet. Die Ausgabe der Karten erfolgt an den Fahrkartenausgabestellen in Steinhude, Hagenburg und Weißer Berg. Die Karten werden mit dem Tagesstempel versehen und haben nur Gültigkeit für den Tag der Lösung. Sonnabend und Sonntag wird jedoch als ein Tag gerechnet. Als Preis für die Tageskarte ist im Einverständnis mit der Landesregierung 1 Mark festgesetzt worden. (Kanu-Sport, 1927)


© Ilse Entner