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Skijak/Wasserskilauf

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1. Skijak-Steiermark-Durchquerung
Mur von Predlitz bis Spielfeld
14.-18. August 1985

Vom rauschenden Wildbach zur stinkenden Kloake
Trofaiacher Skijaker durchquerten die Steiermark auf der Mur

Ein Bericht von Robert Koch

Um Steiermarks Hauptfluss auch für die zahlreichen Wassersportler wieder zugänglich zu machen, rief im August 1985 der Allgemeine Skijak-Klub Trofaiach zur 1. Steiermark-Durchquerung unter dem Motto 'Für eine saubere Mur' auf. 16 Skijak-Sportler aus 3 Nationen beteiligten sich an der 250 km langen Suche nach den Verursachern der größten Umweltverschmutzung der Steiermark.



Organisationsteam Laure und Koch

VORGESCHICHTE
Für mich war es seit meinen ersten 'Schritten am fließenden Wasser', die ich im Oktober 1981 unter den Fittichen von 'Skijak-Pionier' und Konstrukteur Harald Strohmeier auf Steiermarks Hauptfluss zwischen Göß und Leoben unternommen hatte, klar, dass Befahrungen der Mur zu einem wesentlichen Bestandteil des Paddelrepertoires der Skijaksportler werden müssten und werden würden - schon aus geografischen Gründen. War doch die Mur - neben dem Trabochersee - das am nächstliegende Wassersportrevier bzw. sogar das einzige paddelbare Fließgewässer in unmittelbarer Umgebung.
1984 startete ich mit meinen Skijak-Kumpels Werner Laure und Rupert Seitner sowie den Paddlerkollegen Bert Griesebner und Heinz Zulehner zu einer spätherbstlichen Tour zwischen St. Michael und Leoben, was den Auftakt zu einer langjährigen Tradition bilden sollte. Denn bis zum heutigen Tag zählt diese Tour als Schauplatz für den alljährlichen Saisonstart und dessen Ende. 'An- & Abpaddeln' im Klub waren geboren.
AUSGANGSSITUATION
Für uns Wassersportler, die durch ihre bevorzugten Befahrungen von Wildwasser, wie Salza oder Enns, glasklares Wasser gewöhnt und 'verwöhnt' waren, war die Befahrung der Mur speziell ab dem Pöls-Zufluss bei Fisching eine auch nicht ganz unriskante und wenig attraktive Aktion aufgrund fehlender Schwierigkeitsgrade. Doch ich war seit Anbeginn unserer Skijakaktivitäten von der speziellen Rolle der Mur überzeugt und betätigte mich schon damals als 'Vordenker' und heimatverbundener Optimist.
Seit meiner Schulzeit in Leoben und den Studienjahren in Graz galt die Mur als Problemfall, als 'größte Flusskloake' Österreichs, ja sogar Mitteleuropas. Die bräunliche Farbe des Flusses gehörte zu den Gegebenheiten und die Ausgangssituation war vor allem bezüglich der Wasserqualität nicht unproblematisch, als ich gegen Ende des Jahres 1984 ein paar hart gesottene Kumpels aus dem Klub überzeugen konnte, bei dieser ersten Befahrung zwischen St. Michael und Leoben mitzumachen. Vor der gleichen Situation stand ich auch ein Jahr später, als der Plan einer Durchquerung des Landes auf Steiermarks Hauptfluss Gestalt annahm.
Die Unterstützung für unser Vorhaben war von Beginn an sehr hoch. Zum einen fand die Idee großes Echo bei Harald und Helmut Strohmeier, die uns materiell jedwede Unterstützung zusicherten. Für 'Pionier' Harald war es sozusagen 'Pflicht', auch im hohen Alter von 73 an einigen Teilstücken teilzunehmen. Unterstützt wurden wir auch von einigen Politikern und von den Gemeinden Murau, St. Georgen/Judenburg, Leoben, Niklasdorf, Frohnleiten, Graz, Lebring und natürlich Trofaiach, wo wir stets offenes Ohr für unsere teils ungewöhnlichen Vorhaben fanden.



Harald Strohmeier sen.

DIE IDEE
Eine Befahrung der Mur von der Salzburger Landesgrenze bei Predlitz bis zur slowenischen Staatsgrenze bei Spielfeld galt in Paddlerkreisen zwar als nicht besonders schwierig und durch viele Wehrpassagen wenig attraktiv, doch in Sachen Heimatverbundenheit war die Strecke hervorragend geeignet, dem Skijaksport in der Öffentlichkeit zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Von der Idee, die gesamte Strecke von 250 km nonstop zu durchfahren, kamen wir bald ab, weil dies kaum absicher- und kontrollierbar sowie wenig attraktiv schien.
So entstand der Plan, die Strecke in 5 Tagen mit 9 Etappen und 4 &Uml;bernachtungen zu bewältigen, die Rennwertung wurde aus gefahrenen Kilometern und Bonuspunkten aus 4 Sprintwertungen ermittelt. Neben dem sportlichen Aspekt sollte aber vor allem auf die prekäre Situation rund um die Wasserqualität der steirischen 'Hauptader' aufmerksam gemacht werden, die zu den meistverschmutzten Gewässerläufen Europas zählte, wofür vor allem die Industriebetriebe entlang des Murtales beteiligt sind.
Mit dieser 'Befahrung mit sportlichem Protestcharakter' wollten wir aber auch eine Tradition fortsetzen, die ihren Anfang bereits in den 1920-er-Jahren genommen hatte. Einer der 'Pioniere der Wasserski' dieser Zeit, der Obdacher Karl Namestnik, hatte mit seinen 'gekoppelten Wasserski' die Strecken Zeltweg - Leoben und Leoben - Graz ohne Sturz absolviert und dabei für einiges Aussehen gesorgt. (Siehe 'Wasser & Sonne' 6.7.1928 - ANNO, Wasser und Sonne, 1928-07-06, Seite 3 (onb.ac.at) )

DIE FAHRT
Eines vorweg: Die Tour wurde zu einem vollen Erfolg, an dem 16 Skijaksportler aus den größten Klubs Österreichs und 3 Nationen beteiligt waren. Die Bewältigung der gesamten Strecke von 250 km blieb letztlich 6 Sportlern vorbehalten, wobei eine überraschend hohe Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 10 km/h verzeichnet wurde.



Dagmar Pernitsch

Smaragdgrün präsentierte sich die Mur von Predlitz weg als schönes Wildwasser - so ganz nach dem Geschmack aller Wassersportler. Auf anspruchsvollen Wellen verlief die Etappe unterhaltsam und abwechslungsreich mit einem Zielsprint in Murau, wo man im Camp direkt am Fluss übernachtete.
Tag 2 brachte die Strecke von Murau bis Zeltweg mit mehreren Wehrumtragungen und einem Sprint in St. Georgen ob Judenburg, wo eine große Menge an Fans auf die Sportler wartete. Spannend verlief auch die Nacht bei Zeltweg, die das Team im Naturalcamp direkt am Fluss verbrachte.



Übernachtung in Zeltweg

Während bis zur Einmündung der Pöls bei Zeltweg die lokalen Abwässer die Hauptverschmutzer bildeten, war es ab hier mit dem 'reinen' Vergnügen vorbei, was sich vor allem durch Eintrübung und geruchsmäßig bemerkbar machte. Halbzeit war nach 2 weiteren Etappen in Leoben, wo die Teilnehmer in heimischen Betten schlafen konnten.

Eine ständige Zunahme der Verschmutzung registrierten wir ab Bruck/Mur, wo auch die Fließgeschwindigkeit infolge der zahlreichen Stauanlagen erheblich zurückging. Ein 'Ehrenbier' gab es in Zlatten, wo wir am Stausee Pernegg auf Harald Strohmeier und die Anfänge des Skijaksports vor 55 Jahren anstießen.



Tandem bei Frohnleiten

Ab Gratkorn präsentierte sich der Fluss als 'Leykam-Privat-Kloake', gekennzeichnet durch dunkelbraunes Wasser mit weißen Schaumkronen. Fahrten mit dem Skijak-Tandem, Ballspiele am Wasser und ein Sprint am Stausee nördlich von Graz sorgten für Abwechslung und Spaß bei den noch rund 10 verbliebenen Teilnehmern.
Sein absolutes 'Endstadium' aber erreichte der Fluss südlich von Graz, wo vor allem in den Stauseen der zahlreichen Wehren die Verschmutzung und Ansammlung von schwimmendem Müll sichtbar zutage trat. Die Palette reichte von Verhütungsmitteln, Damenunterwäsche, faulem Obst, Plastik in allen Varianten bis hin zu Flaschen, Töpfen und Bällen.
Der sportliche Wert war bis Leoben gegeben. Den Rest der Etappen bestimmten Paddelstrecken und Wehrumgehungen. Abwechslung boten die vielen neuen Brückenbauten der S6 zwischen St. Michael und Leoben, wo man durch gekonnte Postierung in der Hauptströmung 2 gewaltige Gefahrenstellen produzierte.



Das Team in Spielfeld

RENNVERLAUF
Sehr bald war uns Teilnehmern klar, dass der Wettkampfcharakter nicht an vorderster Stelle zu finden sein sollte, sondern lediglich der Abwechslung diente. Insgesamt nahmen 16 Sportler an den Etappen teil und ein Team von 9 Personen absolvierte die gesamte Tour, davon 6 auf dem Wasser.
Als Rennleiter fungierten Werner & Kurt Laure, Vera Doncsecs und Reinhold Duda vom ASK Trofaiach, mit 9 Teilnehmern stellte der ASK das größte Team und insgesamt wurden 24 Wehren bewältigt. Die gesamte Paddelzeit betrug knapp 30 Stunden (siehe Rennprotokoll)

Hier das Endergebnis aus gepaddelten Kilometern und Punktesprints:
  1. Walter Steinberger (SK Graz) 322 Punkte
  2. Hans Möslinger (ASK Trofaiach) 296
  3. Bernd Lierzer (SKG) 283
  4. Robert Koch (ASK) 253
  5. Dagmar Pernitsch (ASK) 230
  6. Uli Lampichler (ASK) 218
  7. Eduard Böhm (ASK) 110
  8. Harald Strohmeier (ASK) 102
  9. Kurt Laure (ASK) 85
  10. Karl Haas (SJK Wien) 84
  11. Fritz Weilharter (SKG) 70
  12. Frank Walenta (CDN) 37
  13. Heinz Petanjek (AUT) 29
  14. Werner Laure (ASK) 25
  15. Vera Doncsecs (ASK) 19
  16. Reinhold Duda (ASK) 14


Der Sieger Walter Steinberger

Sprintwertungen:
Murau:
  1. Steinberger
  2. Weilharter
  3. Haas
  4. Walenta
  5. Möslinger
St. Georgen/Jud.:
  1. Böhm
  2. Steinberger
  3. Haas
  4. Strohmeier
  5. Lierzer
Graz:
  1. Steinberger
  2. Lierzer
  3. Pernitsch
  4. Möslinger
  5. Koch
Lebring:
  1. Lierzer
  2. Steinberger
  3. Koch
  4. Pernitsch
  5. Möslinger
FOTONACHWEIS
Chronik des ASK Trofaiach, Robert Koch


Zu Fuß über den Ärmelkanal, 1983

Ein Bericht von Robert Koch

Von Dover nach Calais zu kommen haben schon viele versucht - auf vielfältige Art. Am 1. Oktober 1983 wagten es erstmals 20 Skijak-Fahrer aus 4 Nationen, die die 40 km-Strecke auf ihre ganz spezielle Art - nämlich stehend und paddelnd - überwinden wollten. 3 davon schafften es tatsächlich . und das trotz widrigster Wetterbedingungen und in Rekordzeit. Ein Bericht von der 1. Skijak-Ärmelkanal-Regatta.

Der Anruf kommt völlig überraschend.
Ob ich Zeit und Lust hätte, an einem völlig verrückten Wettrennen teilzunehmen? Aufgrund des Ausfalls einiger Skijaksportler waren Plätze frei geworden und ich könnte einspringen. Langer Rede, kurzer Sinn . kurze Rücksprache mit meiner jüngst angetrauten Gattin - ja natürlich, ich bin dabei!
Das war Mitte September 1983 und ich hatte 2 Wochen Zeit, mich auf dieses aberwitzige Unternehmen vorzubereiten. Kein Problem, Fitness war vorhanden, meine Skijaktechnik hatte ich auf der Salza und in Griechenland trainiert und die Unmöglichkeit dieses Vorhabens war sowieso kein Thema. 20 Skijaker sollten dabei sein und unser Team aus Österreich bestand aus Harald und Helmut Strohmeier, Hans Velker, Hans Möslinger und den 5 Trofaiachern Heinz Kaltenegger, Werner Laure, Manfred Nahold, Fritz Weilharter und mir. Dazu kamen noch 6 Holländer, 4 Exil-Tschechen aus München und ein US-Boy.



Team Trofaiach

Was die sportliche Seite des Wettrennens über den Ärmelkanal betraf, war ich eher unbedarft und machte mir keine besonderen Gedanken über Ablauf, Ausgang und Erfolg. Vielmehr sah ich mich in der Rolle des Berichterstatters, da ich in meiner Heimat Herausgeber des Monatsjournals 'Sportstadt Trofaiach' war und in dieser Funktion die Veröffentlichung eines ausführlichen Berichts plante. Der Skijaksport hatte in den vergangenen Jahren so richtig an Fahrt aufgenommen und wir planten seit einiger Zeit auch die Gründung eines Vereins. Mit der Teilnahme an der Ärmelkanalregatta hofften wir auch auf gute Publicity und Unterstützung bei unseren Bestrebungen, den Skijaksport bekannt zu machen.
Das Startgeld betrug pro Teilnehmer 1.000 Schilling (ÖS), als Veranstalter des Unternehmens trat die Fa. Strohmeier aus Kapfenberg auf, als Rennsekretär fungierte Hans Möslinger aus Leoben und mit der Durchführung wurde R. Read aus Folkestone betraut. Begleitet wurde das Paddlerfeld von 2 Booten, wobei sich das Navigationsboot an das Tempo des jeweiligen Führenden halten würde und der Abstand vom Navigationsboot zum Schlussboot aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden durfte. Dies bedeutete, dass Teilnehmer, die hinter das Schlussboot zurückfallen, das Rennen beenden und an Bord des Schiffes gehen mussten.
Schon die Anreise hatte es in sich. Während die Teilnehmer aus Holland per Fähre aus Ostende eintrafen, starteten wir im Konvoi per Pkw sowie Kleinbus samt Bootsanhänger bereits am 29.9. vormittags. In München erweiterte sich der Tross um 4 tschechische Sportler und gemeinsam ging es durch die Nacht auf deutschen Autobahnen Richtung Belgien.
Mit der Fähre von Calais erreichten wir Dover in den Mittagsstunden des 30.9., wo wir Quartier in der Jugendherberge bezogen und sich das gesamte Starterfeld zur Besichtigung von Kreidefelsen, Stadt und Startplatz sowie Besprechung und Pressekonferenz traf. Die Stimmung vor dem Rennen war entspannt und äußerst kollegial und die Gespräche handelten eher von Themen abseits des Rennens. Auch die Wetterbedingungen schienen gut.
Wie anders sah die Welt am Morgen des 1. Oktober aus - mit dem Morgengrauen kam auch das Morgengrauen . schon vor dem offiziellen Start wurden einige Teilnehmer durch eine der Brandungswellen am Shakespeare-Beach von ihrem Startplatz gespült und obendrein der begleitende Video-Mann samt seiner 750.000 Schilling-Ausrüstung 'vernichtet' . 10 Minuten in der ORF-Sendung 'Sport am Montag' wären es gewesen!?



Start im Morgengrauen in Dover

Pünktlich um 7,06 Uhr GMT knallte am 'Shakepeares Beach' in Dover für uns der Startschuss und bei schlechter Sicht, Nebel, teilweise Nieselregen, Gegenwind, hohen Wellen und Seegang bis Stärke 6 paddelten wir Richtung Kontinent los.



Ausfahrt Dover, da war das Meer noch ruhig




Harald Strohmeier sen. beobachtet die Verbliebenen

Sobald wir die schützende Hafenmole von Dover hinter uns brachten, trennte sich frühzeitig der 'Spreu vom Weizen' und es war bald absehbar, dass das Unterfangen nur etwas für wirklich 'harte Burschen' war. Während sich an der Spitze die Paddler in den schützenden Windschatten des Navigationsbootes kämpfen konnten, war für mehr als 50 % des Starterfeldes der Kampf gegen Wind und Wellen bald verloren und auch ich ging letztlich als 6. ins Schlussboot. Nachdem ich mich erholt, trockengelegt und akklimatisiert hatte, konnte ich mich meiner Aufgabe als Fotograf, Berichterstatter und Versorgungsoffizier widmen.
Bereits nach einer Stunde zeichnete sich ab, dass nur für eine kleine Gruppe die Chance bestand, das Ziel bei Calais zu erreichen. Das Schlussboot - eine 'Nussschale' von ca. 7 m Länge - hatte Hochbetrieb, die Gestrauchelten, Entnervten, Ermüdeten aufzunehmen. Der unerbittliche Gegenwind, die vielen querschlagenden Wellen, die Einsamkeit ließen den Mut sinken und die Muskeln erlahmen.
Am Navigationsboot kämpften die Ausgestiegenen gegen Enttäuschung, Kälte und vor allem gegen Seekrankheit, während die freiwillige 'Seerettung' auf dem Schlussboot gehörig von den meterhohen Wellen durchgeschaukelt wurde. Die Überquerung des Kanals auf diesem Seelenverkäufer war eine Demonstration von Hochseetauglichkeit.





Das Vorwärtskommen der 'Eisernen' war mühsam: nach 1 Stunde waren erst 3 km geschafft, nach 2 Stunden ca. 7 km und noch 12 Skijakabenteurer im Wasser. Bei Km 18 nach knapp 4 Stunden waren es nur mehr 4 Sportler und kaum jemand glaubte ans Gelingen der Überquerung. Kapitän McCray auf dem Navigationsboot hatte beim Anblick der schweiß- und salzverkrusteten Gesichter der erschöpft an Deck liegenden und hockenden Paddler, die um Jahre gealtert schienen, nur einen einfachen Kommentar übrig: 'Wahnsinn!' . um dann zu ergänzen - 'naughty children'. Ungezogene Kinder.
Als schließlich bei Hälfte der Tortour auch noch 'Weltmeister' Hans Velker entnervt und kraftlos aufgab, waren nur noch 3 Überwindungskünstler im Rennen: Heinz Kaltenegger aus Trofaiach, noch recht locker, aber bereits lethargisch und ratlos - 'Ich weiß nicht, wie meine Muskeln das aushalten? Aber aufgeben werd' ich nur, wenn mir das Blut bei den Händen runterrinnt.' Helmut Strohmeier, Sohn des Erfinders aus Kapfenberg und Wildwasserspezialist: 'I g'spür teilweise meine Füaß nimma!' Petr Kakes, ein Exil-Tscheche, der zu Pfingsten 1983 das erste Mal auf Skijak gestanden ist. Ein Kraft- und Emotionsbündel, aber auch ein sympathischer Spaßmacher mit ausgeprägter Selbstüberwindung. '5 Jahre Training in der CSSR-Ski-Nationalmannschaft, da muss man Überwindung besitzen!'



Ab der Hälfte der Strecke waren nur noch 3 im Wasser, Strohmeier jun., Kaltenegger und Kakes

Bei Hälfte der Strecke änderte sich die Strömung, die Wellen kamen nicht mehr von vorne, sondern seitwärts - die Nord-Süd-Drift wurde wirksam und die einsetzende Flut in Frankreich. Schulter an Schulter kämpfte das Trio im lebensnotwendigen Sog des Navigationsbootes Stunde um Stunde dahin - etwa alle 90 Minuten eine Rastpause mit Nahrungsaufnahme und Trinken. Für Strohmeier wäre das Unterfangen ebenfalls fast vorbei gewesen, denn eine Welle wirft ihn um. Mit vereinten Kräften und ungeheurem Durchhaltewillen kam er aber wieder auf die Beine und tropfnass ging es weiter . Richtung Frankreich.
Krone-Redakteur Peter Krause sprach in seiner Story von "freiwilligem Psychoterror, dem sich die Sportler aussetzten." Die Kraft war eigentlich schon aufgebraucht, rundherum nur Wasser und jede Minute mutierte zur unmessbaren Grausamkeit - bis vom Schlussboot das erlösende 'Land in Sicht' ertönte.
Im Nieselregen tauchte das Cap Gris Nez südlich von Calais auf und die drei 'Skijak-Maschinen' rüsteten sich zum Endspurt - eine grausige Entscheidung nach 9,5 Stunden gemeinsamen Kampfes. Kakes zog unwiderstehlich los, Kaltenegger 'verschlief' zuerst, kämpfte sich aber an Strohmeier vorbei und an den Tschechen heran, ehe ihn eine brechende Welle von den Beinen riss und 50 m vor dem Ziel um den totalen Lohn seiner Mühen brachte. Aber bereits im Ziel am Strand war dies angesichts der Erreichung des Unglaublichen und des Jubels mit lächelnder Siegesmiene bereits vergessen und die Erleichterung grenzenlos.
Um 16,45 h war das Wahnsinnsrennen zu Ende, in 9,39 h hatten Petr Kakes, Helmut Strohmeier und Heinz Kaltenegger den Ärmelkanal durchquert und einen Meilenstein in der Skijak-Historie gesetzt. Keine jubelnde Menschenmenge empfing die Helden, nur eine Handvoll Wanderer am Strand beobachtete ungläubig, wie die Skijakfahrer an Land gelangten. Es wurde auch nicht mit Champagner gefeiert, sondern mit einer Dose Bier, die einer der Sportler im Bindungsschuh verstaut hatte.
Glücklich, erschöpft und völlig durchnässt kehrten die 'Weltrekordler' nach einer stürmischen Rückfahrt auf englischen Boden zurück und die Gestrauchelten trösteten sich mit dem Versprechen: 'Nächstes Jahr versuchen wir es bestimmt noch einmal!'





Das Siegertrio Strohmeier jun., Kaltenegger und Kakes

FOTOS
Nachweis: Robert Koch c/o PEDES, Plattform zur Erhaltung, Dokumentation und Entwicklung des Skijaksports, A-8793 Trofaiach


Von den 'Strohmeierschifferln' zum Skijak

Erinnerungen zum 25. Todestag von Harald Strohmeier 2020

Ein Bericht von Robert Koch

Wenige Wochen vor seinem Tod hatten ich und mein Skijak-Kumpel Rupert Seitner das Glück, Erfinder Harald Strohmeier in seinem Haus in Kapfenberg besuchen zu dürfen. Gezeichnet von mehreren Schlaganfällen war der 83-Jährige noch immer voller Tatendrang und Visionen ... von leichteren Materialien, kürzerer Bauweise und und und ... war die Rede. Und so wird er in Erinnerung bleiben!



v.l.n.r. Robert Koch, Herbert Strohmeier, Seitner, 1995

Ein Jahr zuvor war er zum letzten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen, als der Allgemeine Skijak-Klub (ASK) Raiffeisen Trofaiach eine Fotoausstellung in der Raiffeisenbank Trofaiach anlässlich des 10-jährigen Klubbestehens eröffnete. Voller Stolz und Freude konnte er das Ergebnis seines 'Wassersport-Lebens' und die Weiterführung durch den ersten heimischen Skijakverein bewundern.



Raiffeisen Jubiläum 10 Jahre, 1994

Seinen 'Memoiren' entstammt das Vermächtnis, wie seine riesige Affinität zu Wasser und Schiffahrt entstand. Im Alter von 8 Jahren kam Harald Strohmeier in den bitteren Nachkriegszeiten zur Pflege nach Holland, wo er von seinem Mansardenfenster die Fischerboote auf der Zuidersee beobachten konnte und ihn eine große Sehnsucht danach erfasste. 'Ich bin durchgebrannt und wollte Schiffsjunge werden - im Hafen von Huize wurde ich von den Fischern nur ausgelacht und mein Pflegevater hatte mich bald wieder eingefangen.' Doch die Sehnsucht blieb.

Als 1929 bei Pernegg an der Mur ein Kraftwerk mit Stausee entstand, ging er sofort daran ein Segelboot zu bauen. Dank seiner überdurchschnittlichen handwerklichen Fähigkeiten gelang dies mit Erfolg und als begeisterter Skifahrer begann er 1930 zusätzlich mit dem Bau von Wasserskien. 'Ich ging dabei meinen eigenen Weg und machte nicht die Fehler der mir bislang unbekannten Vorgänger!'

Die 'Fehler' waren zumeist zu kurze Bootskörper mit zu flachen Böden, Verbindungen zwischen den Wasserskiern oder dem Einbau von Klappen zur Stabilisierung. Auch wurden durchwegs zwei Stöcke verwendet ... für Strohmeier war bald klar, dass nur ein Paddel den notwendigen Vortrieb schaffen konnte. 'Ich baute mir zwei 2,8 m lange, schlanke Kajaks bestehend aus einem Holzgerüst, das ich mit Stoff bespannte. Durch einen Farbanstrich wurde die Bespannung wasserdicht gemacht.'

Seine ersten Versuche im Schwimmbad Kapfenberg endeten jäh, als sich die Imprägnierung löste und ihn der Bademeister verjagte. Nach nächtlicher Reparatur stand der nächste Schritt am Programm: 'Am nächsten Tag fuhr ich gleich ein Stück die Mürz hinunter!'



Erste Versuche, 1930



H. Strohmeier, 1931

Sein langjähriger Weggefährte Herbert Reif schilderte eines seiner intensivsten Erlebnisse mit dem 'Wasserskiverrückten' Harald Strohmeier in den Anfängen der 1930-er Jahre: 'Eines meiner aufregendsten Erlebnisse in der Studienzeit in Leoben war der Versuch, die Floßgasse des Krempelwehres zu durchfahren. Als Aufpasser erlebte ich, wie die Wogen über Harald zusammenschlugen. Ich hatte Angst um sein Leben . er wurde jedoch glücklicherweise auf einer Sandbank angeschwemmt - unverletzt.'



H. Strohmeier Murwehr, 1931

Zwischen 1934 und 1936 wurde diverse 'Meilensteine' gesetzt. Die Entwicklung der 'Strohmeierschifferln' war soweit gediegen, dass Strohmeier bereits größere Wanderungen unternehmen konnte. So befuhr er die Traun von Hallstadt bis zur Donau und weiter nach Wien. 'Mein Reisegepäck, Kochzeug und ein kleines Zelt hatte ich in den Wasserskien verstaut.' Dank der starken Strömung konnte er täglich über 100 km zurücklegen. Auch 1935, als er auf der Enns von Hieflau bis zur Mündung und weiter auf der Donau bis Wien fuhr. Dies waren auch seine ersten, wirklich schwierigen Wildwasserbefahrungen.

1935 besuchte er erstmals das Patentamt in Wien und studierte die vorhandenen Patente. 'Ich war überrascht, was es da schon an Wasserskipatenten gab'. Er brachte seine Konstruktion zur Anmeldung und im Jahr 1936 wurde ihm tatsächlich das Patent auf 'Aus einzelnen, geschlossenen Metallhohlkörpern zusammengesetzter Wassergleitschuh' erteilt.



H. Strohmeier Wassergleitschuh, 1936



H. Strohmeier an der Traun, 1951

Die Einzigartigkeit des Harald Strohmeier dokumentieren Schilderungen seines Sohnes Bernd über Italienurlaube per 'Puch-Roller' aus den Jahren 1957 und 1958: 'Er hatte das Zelt vorne zwischen den Füßen und noch ein paar aufblasbare Skijaks mit dabei - mit dem Paddel seitlich am Roller. Wir waren total überladen und auf den Dolomiten-Pässen mussten wir bei jedem Pass unterwegs stoppen um den Motor zu kühlen. In Venedig paddelten wir abwechselnd am Canale Grande und die kleinen Kanäle bei den Glasbläsern vorbei. Die konnten es nicht glauben, dass man stehend am Wasser paddeln kann und bewarfen uns mit Holzstücken, damit wir reinfallen, aber es gelang ihnen nicht.'



H. Strohmeier auf seinem Puchroller, 1957

In den 1960-er und 1970-er Jahren entwickelte der Böhler-Ingenieur seine 'Skijaks', die ihren Namen seit 1949 trugen, kontinuierlich weiter und die Herstellung wuchs um 1980 von der Einzelproduktion zur maschinellen Fertigungstechnik. Die moderne Ära des Skijaksports wurde 1981 eingeleitet, als im Zusammenhang mit der Erstellung einer Diplomarbeit an der Sportuni Graz Testpersonen gesucht wurden.



H. Strohmeier mit dabei am Trabochersee, 1981



H. Strohmeier in Holland, 1985

Diese Aktivitätswelle und das Anwachsen der 'Skijakfamilie' bildet bis heute die Basis für den Erhalt des Sports. Vor allem dem ASK Raiffeisen Trofaiach als einzigem verbliebenen Skijakverein der Welt und seinen umtriebigen Skijakfreunden ist es zu verdanken, dass der Sport auch 25 Jahre nach Wegfall der Produktion und vor allem nach dem Tod von Harald Strohmeier noch existiert. Jetzt ist es allerdings an der Zeit neue Impulse und auch einen neuen Anlauf in Sachen Produktion zu setzen ... die Erhaltung dieses weltweit einzigartigen Sports und seiner unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten haben es sich mehr als verdient.



Fotonachweis: Robert Koch c/o PEDES - Plattform zur Erhaltung, Dokumentation und Entwicklung des Skijaksports




H. Strohmeier, 1936 und bei den Filmaufnahmen 1949


Der erste Wasserskilauf auf der Enns von Hieflau bis Groß-Reifling, 1929

Ein Bericht von Josef Krupka

Da es sehr schwer ist, den Inhalt und Wertmesser eines Sportes, Menschen zu schildern, die diesen nicht kennen, will ich zur Einführung der Beschreibung des Wasserskilaufes auf der Enns die Sportler kurz behandeln, die diese Erstbefahrung ausführten.

Im Österreichischen Hy-Ski-Club befindet sich eine Gruppe von fünf Allroundsportlern, die von den Mitgliedern des Ö.H.S.C. 'die schwarzen Fünf' genannt werden. Diese Menschen tragen das individuelle Bedürfnis in sich, sportliche Leistungen zu vollbringen, die andere Menschen noch nicht unternommen haben. Gleichgültig, ob es im Winter oder im Sommer sei. Es ist dies die Sucht, die bei den meisten Menschen in verschiedenartigen Variationen auftritt, nach dem mechanisierenden Alltag individuell zu erscheinen.



1929, Auf Wasserskiern durch die Hieflauer Höll / Enns, phot. Franz von Alber

Diese fünf Sportler, die Pioniere des Ö.H.S.C. sind Franz Hirsch, Hans Kraus, Hans Rudolf Schlein, Erich Landgrebe und meine Wenigkeit.

Unserem Schlein wurde nun von Faltbootfahrern bereits öfters vorgehalten, dass der Wasserski höchstens für die Donau taugte, jedoch für Wildwasser vollkommen unbrauchbar wäre.

Wir beschlossen deshalb, am zweitnächsten Sonntag nach diesem Berichte Schleins, die Erstbefahrung der Enns von Hieflau bis Groß-Reifling auf Wasserskiern zu unternehmen. Da wir auf Wasserskiern schon viele Erlebnisse, wie schwere Brandungen an Meeresküsten und Kämpfe mit hohen Wogen auf stürmischen Gewässern hinter uns hatten, waren wir des Gelingens unseres Unternehmens sicher. Wir freuten uns alle auf die wilde 'Hieflauer-Höll', mit ihr auf das herrlich freiwerdende Gefühl, stehend, in sich anpassender Bewegung, wildschäumende Wirbel unter sich zu bezwingen. Es ist dies das Freiheitsgefühl des miterlebenden, waghalsigen Kämpfers.
Es war ungefähr zehn Uhr vormittags, als wir drei, Hirsch, Schlein und ich am Aufbauplatz bei Hieflau unsere Wasserbretteln zusammenstellten. Wir waren ziemlich siegesbewußt, obwohl keiner von uns auch nur eine Ahnung hatte, wie die Enns bei Hieflau sei. Es tangierte uns ferner blutwenig, dass man uns ununterbrochen prophezeite, wir würden den Lauf als Leichen beenden. Erwähnen will ich, dass wir alle in großer Hochschätzung des Herrn Merinsky, Präsidenten des Ö.K.V. gedachten, der uns bei der Abreise aus Wien in herzlichstem Sportgefühl Hals- und Beinbruch wünschte und der Überzeugung Ausdruck gab, dass der Lauf gelingen wird.

Zum Start nach Hieflau kam auch Herr Franz Alber, ein Kajakfahrer aus Berlin, der unseren gesamten Ennslauf zu Kontrollzwecken begleitete.

So liefen wir los und bald tanzten wir der Höll entgegen, wo uns Frau Dr. Steinbach photographierte und Herr Hans Brückner für die Wochenschau der Ufa filmte. Mit ehrlichem Erstaunen entdeckten wir, dass uns die Enns, trotz verhältnismäßig hohen Wasserstandes nicht die geringsten Beschwerden machte. Herr Alber, der uns vor dem Start nur Tod, Mißgeschick und vollständige Zertrümmerung unserer Körper voraussagte, war von dem Lauf derart begeistert, dass er sich Frau Dr. Steinbach und Herrn Brückner gegenüber in Lobesreden nicht genug tun konnte. Wie bekannt, weicht man bei der Hieflauer Höll dem Schwall rechts etwas aus. Auf Bitte des Herrn Brückner durchlief ich nun die Hieflauer Höll ein zweites Mal und zwar diesmal direkt durch den Schwall. Ich kam bis auf den Grund des Wildwassers, stand bis zur Brust im Wasser, doch sauste ich ohne Sturz durch die brodelnde Gischt. Im Lawinenschwall machten meine Kameraden freiwillige Stürze nach allen Richtungen und brachten es fertig, im Schwall sofort wieder aufzustehen. Ohne zu übertreiben wir spielten mit den Wirbeln der Enns, was auch die Zuseher unseres Laufes empfanden.

Bei Groß-Reifling beendeten wir den ersten Ennslauf auf Wasserskiern mit dem befriedigten Bewußtsein, eine scheinbar schwierige Sache leicht und sicher gemeistert zu haben. Ich selbst war damals wohl am glücklichsten, da ich mir kurz vorher den rechten Fuß gebrochen hatte und erst fünf Tage ohne Gipsverband war. Dies will ich nur deshalb erwähnen, um die Selbstverständlichkeit und Sicherheit des Wasserskisportes unseren leider so zahlreichen Gegnern zu zeigen.

Mit herzlicher Genugtuung sahen wir, dass der Ö.K.V. dem Ergebnis unseres Ennslaufes mit Achtung entgegenkam und unsere Leistung voll anerkannte.

Groß war auch unsere Freude überr den Vorschlag des Ö.K.V., gemeinsam arbeitende Freunde und Kameraden auf dem Wasser zu werden.

Mit herzlichem Wunsche hoffe ich, dass das Zusammenarbeiten des Ö.K.V. mit dem Ö.H.S.C. an dem weiteren Ausbau des Wassersportes, einem schönen Zweig der modernen Religion, 'dem Sport', mit weitern Erfolg enden wird. (Österreichischer Kajak-Sport, Nr. 1, 1930)


Zur Geschichte, 1930

Auszug aus dem Bericht von Michael Mitter (Präsident des Österreichischen Wasserskiclubs, Wien) über die Erstbefahrung der Enns

Zu den schönsten sportlichen Leistungen zählt für den erfahrenen Paddler das Befahren der Wildwasser und als eine der schwersten Wildwasserfahrten in Österreich gilt die Bezwingung der wilden Enns von Hieflau bis Groß-Reifling. Es war natürlich auch der sehnsüchtige Traum der Anhänger des jüngsten Wassersports, des Wasserskilaufens, die schwierigste Wildwasserstrecke zu befahren. Seit der kurzen Zeit von 1928 an, nach Erfindung des leichten und zerlegbaren Wasserskis durch Herrn Josef Krupka, hat der Wasserskilauf an Anhhängern sehr gewonnen und in sportlicher Hinsicht ungemein rasch sich entfaltet.



Mit Wasserski auf der Enns, L.Rübelt phot.

Man hat vor Jahrzehnten und Jahrhunderten Wasserski gebaut und versucht damit Strecken zurück zu legen. Einige schüchterne Versuche auf kurze Strecken gelangen, aber etwas fehlte vollständig, das Aufrichten nach Stürzen. Bei Verlust des Gleichgewichtes war der kühne Wasserläufer verloren, er musste schwimmend das rettende Ufer erreichen. Auf dieser Stufe blieb das Bestreben, mit Wasserski Flusswanderungen durchzuführen bis 1928 stehen. Seither aber hat sich auch die 'Wiener Schule' im Wasserskilauf entwickelt, welche, was Lauftechnik und vor allem das Aufstehen von Stürzen nach hinten, seitwärts und vorwärts, sowie Drehschwünge durchs Wasser, Umtreten während der Fahrt zur Richtugsänderung betrifft, praktisch und in ihrem Aufbau vollständig ist. Es werden sich wenig praktische Veränderungen mehr ergeben. Von der Lauf- und Falltechnik im toten Wasser ging man zur Stromfahrt auf der Donau und ihrer starken Strömung und den Wirbeln über. Die Gleichgewichtserhaltung ist für den halbwegs geübten Wasserskifahrer so selbstverständlich, dass er an ein Umfallen überhaupt nicht denkt. Hunderte von Kilometern werden von Anfängern nach kurzer Übungszeit, auch im Winter, angezogen, sturzfrei gefahren.
Der Grund dieser für den Laien unglaublichen Sicherheit, Leichtigkeit und Eleganz der Bewegung liegt in der sicheren Beherrschung des Aufstehens nach einem beliebigen Sturz. Das Gefühl der Sicherheit löst die vorerwähnten natürlichen, weichen, rhytmischen Bewegungserscheinungen aus. Haben im vorigen Sommer die Faltbootfahrer auf der Donau vereinzelt Wasserskiläufer getroffen, so ist das Bild im heurigen Frühjahr und Sommer wesentlich anders. An den schönen Sonntagen sieht man Gruppen von Wasserskiläufern die Niebelungenstraße von Passau bis Wien, durch den reizvollen Strudengau und die schöne Wachau auf ihren verläßlichen Wasserrappen ziehen. Die durch die Schiffe verursachten Wellen, verbunden mit der Strömung und den Wirbeln verschönern den sportlichen Wasserlauf, um das Schaukeln der Wogen im Langschritt genießen zu können. Es ist ein sehr schönes Bild Wasserskiläufer und Paddler gemeinsam in reiner sonnedurchtränkter Luft auf der schönen Donau wandern zu sehen. Faltboot und Wasserski gehören zusammen, sie haben denselben Zweck und daselbe Ziel. Sportlich ist der Wasserskilauf wesentlich wertvoller, da er den ganzen Körper gleichmäßig erfaßt und dabei den für die Erholung und Kräftigung der Nerven wirkungsvollen Wechsel von durchgreifender Bewegung und Ruhe bietet. Auf die Wasserski kann man sich auch setzen und wie in einem Boot weiterpaddeln. Ein Ertrinken mit Wasserski ist unmöglich, da man sich in jeder Lage an den Skiern festhalten kann. Es ist auch bei den verschiedentlichen Wasserfahrten noch nie ein Unfall vorgekommen. Während der Fahrt kann man sich in die Wellen werfen, um ein erfrischendes Bad zu nehmen; nach entsprechender wohltuender Abkühlung steht man wieder gemütlich auf, um bei gesunder Bewegung Luft und Sonne auf den Körper wirken zu lassen. Wie erwähnt wurde der Wasserskilauf im toten Wassser, auf Flüssen und Strömen geübt. Im Sommer 1929 fuhr ich mit dem Sportwart des Österreichischen Wasserskiclubs, Herrn Fr. Hirsch, 5 Wochen nach England, um den Wasserskilauf im bewegten Ärmelkanal zu versuchen und zu üben.

Der Wasserski und die Wiener Schule des Wasserskilaufens haben die Probe glatt bestanden. Nun blieb noch ein unbedingt anzustrebendes Ziel übrig, nämlich die Enns. Wir erkundigten uns bei tüchtigen Paddlern, die mehrmals die Enns bezwangen, wie dort die Wasserverhältnisse sind und ob nach ihrer Meinung die Befahrung der wilden Enns mit Wasserski möglich sei. Ein überzeugtes 'ganz unmöglich' war stets die Antwort; ein Befahren der wilden Enns mit Wasserski bedeute den sicheren Tod. Da ich viele Jahre meiner Jugend an der Enns verbrachte und sie gut kenne, aber auch von der Sicherheit des Wasserskilaufens aus der Praxis vollständig überzeugt bin, hielt ich die Befahrung als durchaus durchführbar und munterte unsere stramme, mutige Klubjugend auf, die Ennsfahrt zu versuchen. (Fluss und Zelt, 1930-31, H9)


© Ilse Entner