kanugeschichte.net


Home  |  Meilensteine  |  Material  |  Flüsse  |  Paddelpioniere  |  Befahrungen  |  Links  |  Kontakt
Erstbefahrungen | Befahrungsberichte | Expeditionen | Unfallmeldungen

Unfallmeldungen




Gedenktafel von Josef Schächner angebracht für Martin Miller in der Tiroler Ache, Martin Miller ist dort 1957 tödlich verunglückt



Kampf dem nassen Tod!, 1927

Jahrhunderte ertönt dieser Kampfruf, der heute mehr denn je erschallen muß. Nach äußerst vorsichtiger Schätzung ertrinken alljährlich 5000 Menschen allein in Deutschland. Gerade die Jugend bildet leider das Hauptkontingent der Opfer des nassen Todes.

In Frankreich werden für die Zeitspanne Mitte Juli bis Mitte September 1925 640 Unfalltote gemeldet. Davon starben 300 Personen bei Bade- und 105 bei Bootsunfällen.

In Preußen (ohne Berlin) ertranken nach amtlichen Feststellungen: 1921 - 2979 Personen, 1992 - 2385 Personen und 1923 - 3104 Personen. In Berlin allein ertranken: 1921 - 386, 1922 - 317 und 1923 - 342 Personen.

Hieraus geht schon mit erschreckender Deutlichkeit hervor, wie notwendig gerade der Kampf gegen den nassen Tod ist. Die vom Deutschen Schwimmverband 1913 gegründete Deutsche-Lebensrettungs-Gesellschaft hat sich die Aufgabe 'Kampf dem nassen Tod' gestellt, sie will sachgemäße Kenntnis und Fertigkeit im Retten Ertrinkender und deren Wiederbelebung vermitteln, den Rettungsgedanken im allgemeinen durch stete Pflege und Vertiefung fördern und im gesamten deutschen Volk in die Tat umsetzen helfen. An euch allen liegt es, zu verhüten, daß blühende Jugend im Wellengrab versinkt und so manche Hoffnung arbeitsamer Eltern für immer vernichtet wird. (Quelle: Dr.Schwarzer, 2.Vorsitzender des LV Rheinland der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft, 1927)


Unglücksfälle beim Wassersport, 1883

"Wie kann jemand der des Schwimmens unkundig ist, sein Vergnügen auf dem Wasser suchen, also sich der steten Gefahr des Ertrinkens aussetzen? Das ist doch das Wenigste und ich sollte meinen, das Erste, was von jedem Wassersportler verlangt werden könnte, daß er sich die leichte Kunst des Schwimmens zu eigen macht. - Es gibt leider eine große Anzahl Menschen, welche Vorsichtsmaßregeln hohnlächelnd verachten und sich dadurch als besonders mutige Leute charakterisieren wollen. Doch handelt es sich hierbei um eine Begriffsverwechslung, denn Vorsicht und Mut sind zwei verschiedene Dinge, die sich wohl miteinander vertragen, und oft zeigen sich solche großmäulige Helden im Augenblick der Gefahr recht klein." (Dr.Weil, 1883) -- Und heute? Sind alle Paddler schwimmkundig? Schwimmenlernen ist nicht schwerer als das Erlernen des Foxtrotts! (Quelle: Archiv Curt Donat, Kanu-Sport 1924)



Freibad Wannsee von Hugo Schmidt, 1924


Faltbootunfall am Oberrhein, 1927

Bei den als gefährlich geltenden Stromschnellen oberhalb Isteins ereignete sich am 30. Oktober ein tödlicher Faltbootunfall.

Der 1.Vorsitzende der Freiburger Faltbootfahrer hat mit einigen erfahrenen Paddlern am 1.November die Unglückstelle besichtigt und befahren. Ihre Mitteilung:

'Zur Beruhigung der geängstigten Eltern unserer jugendlichen Mitglieder sei mitgeteilt, daß die Isteiner Schwelle bei jedem Wasserstand von einem geübten Paddler gefahrlos befahren werden können. Schwierig sind nur das mittlere und vor allem das elsässische Drittel des Flusses. Vorher aussteigen und sich die Sache ansehen der das Isteiner Gewilde zum ersten Male befahre. Heute, nach diesem traurigen Unglücksfalle, müssen wir uns noch schärfer fassen: es sollte jeder vorher raus und die Durchfahrt studieren, der noch nie bei gleichem Wasserstand die Schwelle befahren hat. Von der Froschperspektive des niedrigen Faltbootes aus sind die Felsen erst dann zu erkennen, wenn es zu spät ist.' Wir veröffentlichen den Vorfall als warnendes Beispiel! (Quelle: Kanu-Sport, 1927)


Faltbootunfälle in Sachsen, 1926

In Sachsen ist die Zahl der zünftigen Wildflußfahrer klein geblieben, dagegen wächst die Liebhaberschar für Zschopau, Freiberger und Zwickauer Mulde. Verwegene Ungeübte, die fast ausnahmslos sich aus Kreisen nichtorganisierter Paddler zusammensetzten, versuchten sich an Problemen, denen die Hochzunft bisher nur sehr vorsichtig gegenübertrat. Der Erfolg war: völliger Bootsverlust, schwierige Rettung des Paddlers, meist mit Hilfe der Einwohnerschaft. Beispiele: obere Weißeritz bei Seifersdorf, obere Wesenitz an der Teufelskanzel. Weiterhin ereigneten sich auf Weißer Elster, Zwickauer Mulde und Zschopau eine Reihe leider tödlich ausgelaufener Paddelunglücke, die ebenfalls sehr leicht hätten vermieden werden könnten. Ursachen: Wagemut, der mit wirklichem Können nichts gemeinsames hat, jegliche Unkenntnis von Wildwasser und seinen Schwierigkeiten, jegliche Unkenntnis, selbst der guten Schwimmer, sich aus schwierigen Strudeln freizumachen.

Durch diese Unglücksfälle wird unser schöner Sport leider in den übertriebenen Ruf der Gefährlichkeit gebracht. Es ist deshalb nur Menschenpflicht des erfahrenen Wasserwanderers, Anfängern gegenüber aufklärend zu wirken und sie mit den Schwierigkeiten unserer Flüsse allmählich vertraut zu machen. Pflicht der Bootswerften ist es andererseits, nicht zu stark auf die 'unfehlbare Sicherheit' ihrer Bootstypen hin zuweisen. Lieber ein geübter Fahrer in 50cm breitem Boot, als ein Anfänger im fast meterbreiten Kahn auf schwerem Wildwasser! (Quelle: O.Heinicke, 1926)




Ein harmloses Flöha-Wehr


Faltbootunfälle in Österreich, 1923

Die österreichische Unfallchronik des Jahres 1923 beinhaltet 11 Todesfälle im Faltboot, eine erschreckend hohe Ziffer für den jungen, noch von Wenigen betriebenen Sport im kleinen Österreich. Bei genauerem Hinsehen sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Wenn z.B. eine lustige, alkoholisierte Gesellschaft zu Fünften in ein Dreisitzerboot steigt, wenn ein junger Beamter seiner Kollegin eine Freude damit machen will, daß er sie zu einer Faltbootpartie auf der Enns anstatt im Altwasser der Donau in Wien mitnimmt, wenn einige Jungen ohne Spritzdecke gefährliches Wildwasser meistern wollen und dergleichen mehr, dann müßte man bei einem derartigen 'Sportbetrieb' eher staunen, daß nicht noch mehr Unglücksfälle vorgekommen sind. Nur in zwei Fällen gehörten die Verunglückten dem Verbande an. Natürlich läßt sich die Tagespresse bei keiner solchen Gelegenheit entgehen, auf das besonders Gefährliche des Faltbootsportes hinzuweisen, so daß die Öffentlichkeit den Ö.K.V. bald für eine versteckte Art des Selbstmörderklubs ansehen will. Ein vielgelesener und abgedruckter Artikel eines Nichtfachmannes beginnt und endet mit den inhaltsschwerseinsollenden Worten: 'Auf jedem Kajak sitzt hinten der Tod!' Fehlgeschossen, werter Schmock! Nicht der Tod sitzt im Boote drinnen, sondern leider oftmals solche Leute, die besser dran täten, als Tummelplatz ihrer Vergnügungs- und Sensationslust den gepolsterten Sitz eines Eisenbahnabteils oder eines Autos zu wählen und das Faltboot den schwimm- und paddelfesten wirklichen Sportsleuten zu überlassen. Alle öffentlichen Warnungen, so gut wie sie auch gemeint sein mögen, werden solange nutzlos sein, bis eine größere Anzahl von Unglücksfällen die breite Masse belehrt, daß eine Faltboottour keine Gondelfahrt, sondern ebenso gefährlich werden kann, wie etwa eine Kletterpartie oder ein Motorradrennen, das nur jemand unternimmt, der dazu entsprechend geübt und ausgerüstet ist. (Quelle: Oskar Oberhammer aus Linz, 1923)


© Ilse Entner