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Flussbeschreibungen | Schwierigkeitsbewertung | Befahrungsregeln | Flussverbauungen

Flussverbauungen



Auszug aus der EU Wasserrahmenrichtlinie, 2000:
'Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss.'
"Iller, Lech, Isar, Inn
Strömen zu der Donau hin ...
'Das war einmal', werden unsere Kindeskinder sagen, wenn diese wilden, schönen Bergströme vollends in Kanäle und Stauseen verwandelt sind. ....... Welch ein gewaltiger 'Fortschritt' unseres Zeitalters der Technik!!" (W. Frentz, 1952)

'Nachhaltigkeit bedeutet auch dass wir unseren Kindern und Kindeskindern Naturschönheiten erhalten.' (I. Entner, 2006)

'Ich bin das Land. Meine Augen sind der Himmel. Meine Glieder sind die Bäume. Ich bin der Fels, das Wasser. Ich bin nicht hier, um die Natur zu beherrschen. Ich bin selbst Natur.' (Indianische Weisheit)


(Fotos frei fließender Flussabschnitte von Ilse Entner)

Österreichs Flüsse sind in Gefahr, 2011

'Während Sie dies lesen, arbeiten die Kraftwerksbetreiber Pläne für 150 (!) neue Großkraftwerke und hunderte Kleinwasserkraftwerke aus! Das ist das Aus für unsere letzten wunderschönen Flüsse und hat unglaubliche Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns Menschen.'

Umfangreiche Informationen und eine Online-Petition finden Sie unter www.fluessevollerleben.at


Erinnerungen an den Dim Cay, 2006

Weltweit werden Flüsse im Namen der Nachhaltigkeit verbaut. Der Dim Cay, eine Wildwasserperle in der Türkei, ist mittlerweile in einem Stausee untergegangen. Wir hatten das Glück dass wir ihn 2006 noch befahren konnten.








Gemeinsam sind wir stark! Koppentraun, 2006

Private Investoren wollten 2005 an der Koppentraun im steirischen Salzkammergut ein Kraftwerk bauen und dazu das Wasser in einer 5,3 km langen und 1,8 m dicken Pipeline ableiten. Für 0,1% des Gesamtstromverbrauchs der Steiermark sollten einer der letzten naturnahen frei fließenden Alpenflüsse, ein Fliegenfischer-Gewässer von Weltruf, ein international besuchtes Paddelrevier, ein toller Wildnis-Wanderweg und Arbeitsplätze im Tourismus geopfert werden.

Die "Initiative Koppentraun" hat zum Widerstand gegen dieses sinnlose Kraftwerksprojekt aufgerufen! Über 15.000 Unterschriften und knapp 6.000 online Petitionen wurden gesammelt, damit haben binnen kurzer Zeit über 20.000 Menschen NEIN zu diesem Kraftwerksprojekt gesagt!

Der Schulterschluss von Umwelt-, Fischerei-, Kajak-, Tourismusverbänden, Vereinen, Gemeinden und Einzelpersonen hat Wirkung gezeigt. www.koppentraun.at/unterstuetzer.html


Foto: Ilse Entner


Salzach - Inn, 1950

Für die Befahrung der Salzach ist immer noch ein Fahrterlaubnisschein, ausgestellt von der Wasserstraßendirektion Regensburg, Kumpfmühlerstraße 6, Preis DM 2,-, notwendig.
Man kann die Fahrt schon in Freilassing auf der Saalach beginnen. Einbooten unterhalb des neuen Saalachwehres. Wehre, Hindernisse oder besonders zu beachtende Stellen sind nicht vorhanden. Freilassing bis Simbach am Inn 70km-Tagesfahrt. Im Sommer 1950 wird unterhalb der Salzachmündung auf dem Inn ein neues Kraftwerk gebaut werden.
Auf dem Inn sind folgende Wehre: Wasserburg, Teufelsbruck, Gars, Jettenbach-Töging, Ering und Egglfing. Die Staustufe Neuötting ist im Bau und wird 1950 fertiggestellt. Vor allen Wehren sind Warnungstafeln angebracht, für Ein- und Ausbooten sind Treppen vorhanden. (Max Schmid)

Quelle: Kanu-Sport Nachrichten, illustrierte Fachzeitschrift des Deutschen Kanusports, April 1950


Iller, 1949

Ein Bericht von Dr.Dr.Fröhlich (Ulmer Paddler),
Stand: 10. Juni 1949

In den letzten 20 Jahren, vor allem aber auch noch während des vergangenen Krieges, wurden in der Iller große Wasserkraftwerke erbaut, so dass die Befahrbarkeit erheblich eingeschränkt wurde.
Strecke Oberstdorf (147km bis zur Mündung) oder besser Fischen (143km) bis Hegge-Kempten (107km) nur bei gutem Mittelwasser fahrbar. Auf dieser Strecke drei Wehre, gut zu umtragen.
Strecke Hegge-Kempten bis Kempten Stadt, 4km, 5 Wehre, die zum Teil überhaupt nicht oder sehr schwer zu umtragen sind. Es ist daher ein Landtransport des Bootes auf dieser 4km langen Strecke nötig.
Strecke Kempten (103km) bis Mooshausen (53km). Jederzeit gut fahrbar mit Ausnahme von ausgesprochenem Niederwasser. Bei km 90 primitives Steinwehr. Von km 82 bis km 59,4 Stau durch vier große Unterwasserkraftwerke. Etwa bei km 57,3 Bau eines neuen Unterwasserkraftwerkes, das wahrscheinlich noch in diesem Jahr fertiggestellt wird.
Strecke Mooshausen (53km) bis Vöhringen bei Ulm (16km) überhaupt nicht fahrbar, selbst bei mittlerem Hochwasser ist im Flußbett kein Wasser. Ab Mooshausen befindet sich das ganze Wasser in den Kanälen und Seen der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke. Die Befahrung der Kanäle ist verboten und im übrigen auch keinesfalls zu empfehlen. Zur Zeit erscheint es am zweckmäßigsten, die Iller nur bis Illerbeuren (km 63) zu befahren.
Strecke Vöhringen (km 16) bis zur Mündung in die Donau 2km oberhalb Ulm jederzeit, mit Ausnahme von ausgesprochenem Niederwasser gut Fahrbar. Ein Wehr bei km 9,2 links umtragen. (Quelle: Kanusport-Nachrichten, 1949)


Ein Wasserkraftwerk an der Enns? 1933

Zu den vielen Projekten, welche in den letzten Jahren über den Bau von Wasserkraftwerken verlauteten, ist nunmehr ein Neuartiges gekommen, welches geeignet scheint in Paddlerkreisen lebhaftes Interesse zu erwecken. Wie wir aus gut unterrichteter Quelle erfahren, soll unser bekanntestes und am meisten befahrenes Wildwasser - die Enns - bei Ternberg gestaut werden. Auf diese Art sollen die für den Betrieb eines soeben im Projekte fertigen Wasserkraftwerkes, notwendigen Wassermassen gesammelt und ihrer Verwertung zugeführt werden. Es erübrigt sich die Feststellung, dass durch die Verwirklichung dieses Planes das Aussehen unseres bekanntesten Wildflusses wesentlich verändert würde. Das Projekt ist bereits zum Gegenstand eingehender Verhandlungen geworden, doch wollen wir im Interesse der Romantik unserer Enns-Landschaft hoffen, dass auch diesmal wieder der mangelnde 'Nervus rerum' einen Strich durch diese unfreundliche Rechnung macht. (Quelle: Österreichischer Kajaksport, 1933)

Foto rechts: Beschreibung Ternberger-Schwallstrecke. (Quelle: Heurichs Streckenkarte Enns, ca. 1920er Jahre)
Das Kraftwerk Ternberg ging 1949 in Betrieb. In den darauffolgenden Jahren wurden weitere Kraftwerke an der Enns gebaut: Großraming 1950, Rosenau 1953, Losenstein 1962, St.Pantaleon 1965, Garsten-St.Ulrich 1967, Weyer 1969 und Schönau 1972. Die Kraftwerke Staning und Mühlrading gingen bereits 1946 bzw. 1948 in Betrieb.


Walchenseekraftwerk und Faltbootfahrer, 1926

Im vergangenen Sommer wurde so manchem die Fahrt auf der oberen Isar verleidet, insbesondere vom Krünnwehr ab; wurde doch diese Fahrt im wahrsten Sinne des Wortes zur "Flußwanderung". Die Leitung des Walchenseekraftwerkes war wegen der "Senkungsschäden" am Ufer des Walchensees und wegen des außergewöhnlich trockenen Frühjahrs, besonders lange Zeit gezwungen, das ganze Isarwasser abzuleiten.
Durch diesen Wasserentzug war ein großer Teil der Bevölkerung der oberen Isar, insbesondere die Flößer, die Sägewerksbesitzer, geschädigt. Ihre Beschwerden wurden von der Kreisregierung Oberbayern durch folgende Regelung erledigt: Zur Sicherstellung des Holztransportes muß Zuschußwasser abgegeben werden und zwar auf der Strecke
  • Krünn-Vorderriß zum Abbinden der Flöße 10 Tage 25 Stunden lang 5 cbm/sec, zum Abtransport der Flöße an 10 den Abbindetagen folgenden Tagen 5 Stunden lang 10 cbm/sec
  • Vorderriß-Fall an 30 Tagen 7 Stunden lang soviel Wasser, daß die Wasserführung der Isar bei Vorderriß 15 cbm/sec beträgt
Diese Floßtage müssen bis zum 31. August des Jahres jeweils eingebracht sein; nach diesem Termin ist das Walchenseewerk nicht mehr verpflichtet, Zuschußwasser abzugeben, außer, es ist eine bestimmte Anzahl von Flößen fahrbereit.
Diese Regelung ist aber keine endgültige, vielmehr ist sie abhängig von der Durchschnittsmenge des zum Abtransport kommenden Holzes; eine Änderung kann frühestens in 5 Jahren erfolgen. Da aber mit der Vollendung der Waldbahn eine Abnahme des Floßverkehrs zu erwarten ist, dürfte dieser Wasserabgabezwang sicherlich noch mehr eingeschränkt werden.
Zur Räumung der Isarfahrrinne muß das Walchenseewerk jährlich einen Betrag an die Flößer entrichten. Es ist also zu hoffen, daß das wenige Wasser, das die Isar oft führt, wenigstens einigermaßen in einem Arm läuft, so daß auch der Faltbootfahrer seinen Vorteil hat.
Ferner sieht diese Entscheidung der Kreisregierung vor, daß der Walchensee nur bis zu einer bestimmten Höhe abgesenkt werden darf und daß die Auffüllung, wozu ja nur Isarwasser in betracht kommt, in normalen Jahren bis Mitte Juni, in wasserreichen Jahren bis längstens 1. Juli aufgefüllt sein muß.
Die Flößer können nun wohl ihr Gewerbe ausüben, aber an die Faltbootfahrer wurde nicht gedacht.
Das einzig Tröstliche ist, daß spätestens nach dem 1. Juli aus der Isar nur mehr das gewöhnliche Betriebswasser genommen wird und alles übrige im Isarbett verbleibt.



Obere Isar nach ungefähr 8 km Fahrt

Die Regierung hat geschlichtet, hat's allen soweit als möglich recht gemacht, wenigstens daß sie den Umständen entsprechend zufrieden sein können; uns Faltbootfahrern kann nur noch der Petrus helfen und sorgen, daß an recht vielen Sonntagen nach dem 15.6. bzw. 1.7. noch 10 cbm/sec, soviel als wir gebrauchen, übers Krünnewehr laufen. Drum:

Heil'ger Petrus mein,
Seh' auch Du das ein!
Wir vertrau'n ganz auf Dich,
Laß' uns Paddler nicht im Stich!

(Text: Joseph Bauer, Peißenberg
Foto: Max Schneider, München)


Deutsche Flüsse in Gefahr, 1925

Ihr Paddler und Ruderer, die Ihr auf den heimatlichen Flüssen wandert, erhebt Euch zu einmütigem Protest gegen die Erwürgung der lebendigen Flüsse. Rührige Hände sind am Werk, das strömende Flussleben durch Wehre abzudrosseln und die toten Ströme in Betonsärge zu betten.
Gegenwärtig bedrohen zwei Projekte süddeutsche Flüsse, den Neckar und den Main, andere werden wohl bald folgen. ... Es handelt sich nicht nur um die Erhaltung der alten Heidelberger Brücke; sie ist zwar eines der Kampfobjekte, aber vor allem ist sie das Symbol, dem der Aufschrei gilt: es handelt sich um die Erhaltung der einzigartigen Schönheiten des Neckartales zwischen Heidelberg und Wimpfen, und auch nicht nur um Schönheiten und Heimatbilder allein, sondern auch darum, dass uns ein Platz genommen werden soll, wo der Körper Erholung und Stärkung und der Geist Erfrischung und Freude schöpfen kann. ... Für Tiere und Pflanzen schafft man Naturschutzparke, Bauwerke bewahrt man durch Denkmalschutzpflege, für die Menschen scheint der Staat jedoch nur die Schutzhaft zu kennen, sonst müßte eine ganz andere Erörterung und Begründung verlangt werden, wenn so tiefgreifende Veränderungen an der Natur vorgenommen werden, wie sie die Kanalisation und Verbauung der Flüsse bietet.
Nich zurück zur Natur, sondern fort mit der Natur! Der von den Bauern aufgestellte Feldhüter verjagt uns vom Ufer, der künstlich stagnierte Fluss stinkt zum Himmel und verleidet das Baden, der Schleusenwärter erhebt etwa alle 4 Kilometer Wegegeld, gleichgültig, ob man durch die Schleuse fährt oder durch den Wärtergarten das Boot umträgt.
Das ist das Zukunftsbild des deutschen mittleren Flusses. Wir müssen uns dagegen zur Wehr setzen, besonders wenn nicht große allgemeine wirtschaftliche Interessen für die Verbauung der Flüsse vorliegen. Wir müssen frühzeitig zur Stelle sein und scharf aufpassen, dass wir nicht plötzlich mit unabänderlichen Dingen überrascht werden. In Heidelberg erlebten wir, dass uns vor wenigen Monaten noch offiziell versichert wurde, der Kanal von Heidelberg aufwärts käme auf Jahrzehnte hinaus nicht zur Ausführung, während jetzt unverzüglich der Bau begonnen wurde und in wenigen Jahren fertiggestellt sein soll.
In Gefahr sind nicht nur Neckar und Main, alle Flüsse mit Strömung werden wohl mit der Zeit der Zivilisation unterworfen, ihr freies Leben wird in Zwangsjacken eingesperrt. (Prof.Dr.Ritter v. Baeyer, Heidelberg, 1925).


Buchtipp: 'Rettet unsere Flüsse', 1998

'Rettet unsere Flüsse. Kritische Gedanken zur Wasserkraft.' Von Bernd Uhrmeister mit Beiträgen von Nicola Reiff und Reihnard Falter. Erschienen im Pollner-Verlag, 1998

'Eine Ahnung von der Schönheit unserer Flüsse aufleuchten zu lassen, ihre Gefährdung zu verdeutlichen, den Widerstand gegen ihre Zerstörung anzufachen und den Einsatz für ihre Erhaltung zu wecken, das sind die Anliegen dieses Buches.'


© Ilse Entner