kanugeschichte.net


Home  |  Meilensteine  |  Material  |  Flüsse  |  Paddelpioniere  |  Befahrungen  |  Links  |  Kontakt
Chronologie | Organisationen | Vereine | Leistungssport | Technik

Leistungssport


Ergebnislisten


Foto: 1948, erster Schwäbischer Kanuslalom in Augsburg
(Quelle: Kanu-Sport 1948, Aufnahme: Wenninger, BKV)

Die Geschichte des Kanuslalom 1933 bis heute

Ein Bericht von Wolfram Steinwendtner (Salzburg)

1903 der Münchner A. Heurich begann Faltboote zu bauen (Vorläufer gab es bereits ), die bei Klepper ab 1907 serienmäßig erzeugt wurden.
Es waren die Faltboote, die die nötige Beweglichkeit ermöglichten, die die Voraussetzung waren die entlegenen, wilden Alpenflüsse zu befahren. Starre Kajaks gab es schon länger, doch die Entwicklung zu einem Massensport bedurfte des Faltbootes.

1933, der Kajaksport boomt!
Damals befand sich der Kajaksport bereits in einem Boom, der mit dem heutigen durchaus vergleichbar ist, wobei allerdings ein großer Unterschied in der Ausübung liegt. Heute ist Individualität, ermöglicht durch die Bewegungsfreiheit mit dem Auto, vorherrschend, damals waren fast alle Fahrten organisiert. Vereine entstanden in ganz Europa und Regatta-Wettbewerbe gab es allerorten. Von über 100 Teilnehmern berichteten die Zeitungen, wenn es z. B. um eine gemeinsame Ennsbefahrung ging, aber auch Erstbefahrungen, die einen wilden Fluß nach dem anderen in die Öffentlichkeit brachten, erhielten viel Publizität. Ebenso die erstmaligen Eskimorollen des Wieners Edi Pawlata, dessen Buch "Kipp Kipp Hurra" die von den Eskimos abgeschaute Technik wiedergab.
Besonders die Kajakrennen auf flachem Wasser, die 1936 sogar olympisch und die von Österreichern dominiert wurden, waren populär. 3 Gold, 3 Silber und drei Bronzemedaillen für Österreich wie in Berlin wird es wohl nie wieder geben. Hradetzky, Dorfner, Kainz, Landertinger, Kalisch, Steinhuber, dazu noch die Canadierfahrer Proisl und Weinstabl siegten auch noch in vielen anderen Veranstaltungen, darunter auch Europameisterschaften, die schon seit 1933 (Prag) ausgetragen wurden.
Bei all dieser Popularität des Kanufahrens war es kein Wunder, dass die alpinen Nationen Schweiz und Österreich sich vom Skifahren Anregungen holten, die in der Entwicklung des Kajakslaloms gipfelten.
Es war in der Tat eine ENTWICKLUNG, die bis heute nicht zum Stillstand gekommen ist.
Der erste Kajakslalom der Welt in der Schweiz
Die Entwicklung begann 1932 mit einer Schweizer Veranstaltung auf dem Halwylersee mit einer durch Bojen gekennzeichneten Strecke in Form eines unregelmäßigen Sterns, wie der Rennleiter Max Vogt schreibt. Nachdem er selbst diese Veranstaltung als Vorläufer eines Slaloms bezeichnet und dann vom ersten Slalom am 8. Oktober 1933 berichtet, ergibt sich der Zeitrahmen, in dem wir die Entwicklung des Slaloms auf dem wilden Wasser annehmen können. Die Schweizer begannen auf der Aare beim Rupperswilerwehr. Was übrigens für die Frühzeit des Slaloms typisch blieb: fast alle Veranstaltungen wurden an Wehren durchgeführt. Das bedeutete meist eine Zweiteilung in einen Abschnitt mit eher ruhigem Wasser ober- und wildem Wasser unterhalb des Wehres.

Die gleiche Idee,
Durchführung ein halbes Jahr später in Österreich

In der Zeitung "Österreichischer Kajaksport" vom 18. Mai 1935 ist alles genau geschildert. Der Schriftführer war Dipl-.Ing.Richard Meisinger, eine Schlüsselfigur im Kanuslalom, national wie auch international. Willi Rabe, schreibt er, hatte die Idee, die er auf einem Straßenbahnfahrschein zwischen Alserstraße und Burggasse in Form einer Skizze festhielt. Mit seinen Klubkollegen von Ister Wien, Richard Meisinger, Fritz Brunner und anderen,veranstaltete er dann erstmalig am 29. April 1934 auf der Traisen in St. Georgen einen Slalom mit Kajaks, Faltbooten und Faltbootzweier. Gleichzeitig schreibt Max Vogt von seinem ersten Slalom und die Schriftleitung stellt eindeutig und sportlich die Urheberstellung klar. Man hätte in Österreich eben erst aus der Zeitung des Französischen Kanuverbandes "La Riviere" von den Schweizern erfahren. Und diese wären eben die ersten gewesen.

Für Verwirrung sorgte im Jahre 1984 derselbe Richard Meisinger, der unter dem Titel "50 Jahre Kanu -Slalom in Österreich" vom "Ersten Kanu-Slalom der Welt" schrieb. Man möge Richard Meisinger verzeihen, wenn er ein halbes Jahrhundert später nochmals einen Anspruch, den er schon 1935 nicht mehr stellte, wiederholt, denn seine Verdienste um den Kajakslalom sind unbestritten. Vor allem durch seine Propagierung, die er persönlich bei den Vereinen, aber auch mit Aufsätzen in Zeitungen und Verbreitung von Fotos betrieb, hat er überall Interesse geweckt und die Entwicklung vorangetrieben. Er war Mitglied des ersten Slalomausschusses beim IRK, dem Vorläufer des Internationalen Kanuverbandes, der 1936 beim IRK Kongress in Berlin als eigene Wettkampfdisziplin anerkannt wurde.
Für die Festlegung der Regeln wurde ein neuer Ausschuss gebildet, in dem der Österreicher Brunner vertreten war und von dem die Regeln der österreichischen Kajakslalompremiere in der Hauptsache übernommen wurden. Das Verwenden von grünweißen und rotweißen Stangen gilt noch bis heute. Die Schweizer verwendeten ursprünglich Bojen.

Der erste österreichische Kajakslalom 1934,
der zweite weltweit

Die Bewerbe wurden im Faltboot und im Kajak ausgetragen, Rückwärtstore, die später eingeführt wurden, sind nicht erwähnt. Die Punktezuschläge bei Berührungen waren in 5 Kategorien eingeteilt, beispielsweise war die Berührung mit dem Paddel weniger gravierend als mit dem Körper und -man beachte- nur zwischen 2 bis 8 Sekunden wert. (Bei Toren, zu denen die Seilfähre benötigt wurde, gab es allerdings Strafen zwischen zehn und vierzig Sekunden).
Heben wir hervor, dass Meisinger bei dem ersten österreichischen und weltweit somit zweitem Slalom die Tagesbestzeit sowohl im Einer wie auch im Zweier fuhr, also der erste österreichische Slalomsieger überhaupt war.
Im gleichen Jahr 1934 gab es den zweiten Slalom in Wels. 1935 in Steyr und in weiteren drei Orten Östereichs, dann im nächsten Jahr schon sechs. 1935 startete man auch in Deutschland, erstmals in Zwickau.
Meisinger schreibt, dass er in den folgenden Jahren bis 1938 gebeten wurde in Agram und Bratislava die ersten Slaloms zu stecken und dass Italien und Polen ebenfalls Slaloms ausschrieben. Gefahren wurde mit Kajaks, mit Faltbooten und Canadiern und sogar für Zweier Faltboote war ein Bewerb vorgesehen.

Unterbrechung durch den 2. Weltkrieg - Neubeginn - Österreich dominiert
Auch während der Anfangsjahre des Krieges wurden noch Wettkämpfe ausgetragen, doch erst 1946 konnte in Genf wieder ein internationaler Slalom veranstaltet werden.
1947 fand am selben Ort die erste Europameisterschaft statt. Das Ergebnis: Karl Molnar (SWW Wien) siegte vor Hans Frühwirth (Naturfreunde Hainburg)
1946 waren im Auftrage des ICF neue Regeln ausgearbeitet worden, 1948 wurde eine ICF- Slalom Kommission ernannt und es wurde beschlossen, alle zwei Jahre Weltmeisterschaften zu organisieren.

Erste Weltmeisterschaft in Genf 1949,
die ersten Slalomweltmeister sind Österreicher

Die erste Weltmeisterschaft fand 1949 in Genf statt und die ersten Weltmeister bei den Frauen und Männern im Faltboot waren: Hedi Pillwein (SWW Wien) vor der späteren Seriensiegerin Fritzi Schwingl (die ein Jahr zuvor in London über 500 m die Bronzemedaille gewonnen hatte) und der Steyrerin Gerti Pertlwieser aus Steyr.
Othmar Eiterer, ebenfalls aus Steyr, siegte vor dem Hainburger Hans Frühwirth und dem Schweizer Werner Zimmermann.
Pertlwieser, Schwingl und Pillwein gewannen auch die Mannschaft der Damen während der erste Herren-Mannschaftsweltmeister von der Schweiz vor den Österreichern gestellt wurde.
Es waren also die Begründernationen, die am Anfang dominierten, doch sollte erwähnt werden, daß die Deutschen erst ab 1951 wieder im internationalen Kanusport antreten durften.
Die beiden Kanadierklassen wurden von Franzosen gewonnen.


1941, ein Meister in seinem Element: Leo Frühwirt
von der Austria-Paddlergilde Wien bahnt sich
geschickt seinen Weg durch die Hindernisse



1941, ein 'Eskimoboot' meistert dank dem
tüchtigen Hammermüller die doppelten Hindernisse



1941, mit ganzer Kraft legt er sich ins Zeug:
Zagler aus der Steiermark



1949, Othmar Eiterer, Steyr
1. Weltmeister in Genf



1951, Gerti Pertlwieser von 'Forelle Steyr' wird
Slalom Weltmeisterin in Steyr

Zweite Weltmeisterschaft in Steyr 1951 - Traumresultate
Der Kanuverein Forelle Steyr war es auch, die 1951 die zweiten Weltmeisterschaften ausrichten durfte, Weltmeisterschaften, die mit einem Ergebnis endeten wie es nur mehr unsere Skifahrer zustande bringen: 3 Österreicherinnen unter den ersten vier, 7 (sieben !) Österreicher unter den ersten 8.
Am Start waren 58 Herren aus 11 Nationen, wenn man Deutschland Ost und West getrennt zählt, 20 Damen, 10 C 1 Fahrer und 14 C 2 Fahrerinnen und Fahrer, denn damals konnte auch gemischt werden (Monsieur und Madame Gavinet René aus Frankreich zum Beispiel).
Weltmeisterin wurde Gerti Pertlwieser von der Forelle Steyr vor Fritzi Schwingl und der Deutschen Reifinger.
Bei den Herren siegte Hans Frühwirth (Naturfreunde Hainburg) vor Rudi Pillwein(SSW Wien) und dem Innsbrucker Rudolf Sausgruber. Auch in den Mannschaftsbewerben wurden die Österreicherinnen und Österreicher Weltmeister. Ein Triumph vor angeblich 10000 Zuschauern, die nicht nur die errichteten Tribünen, sondern auch die Hänge der Christkindlleiten entlang der Steyr bevölkerten und das größte Nachkriegsereignis feierten.



1951, 2. Slalom-Weltmeisterschaft in Steyr, Kugelfangwehr, Schlussteil des Slaloms

Komplizierte Regeln
Die Regeln der damaligen Zeit sahen Vorwärts- und Rückwärtstore, Schlingen und Barrieren vor, das "fehlerhafte" Passieren eines Hindernisses wurde mit 50 Strafsekunden, das Nichtpassieren mit 150 Strafsekunden bewertet. Diese wurden der Fahrzeit zugerechnet, es gab zwei Durchgänge, der beste wurde als Ergebnis gewertet.
Ganz klar, dass mit diesen Regeln der Grundstein für unzählige Proteste in den folgenden Jahrzehnten gelegt war. Nicht nur das, auch die Zuseher mussten oft stundenlang auf das Ergebnis warten.
Ein Beispiel für die Schwierigkeit der Torrichter war die "gedachte" Linie bei den gehängten Torstangen, deren Unterschreiten als Fehler gewertet wurde. Dazu kam, dass die Zettel der Torrichter mühsam eingesammelt werden mussten und so ist die Kritik im "Deutschen Kanusport" vom 15. 8. 1951 über die Steyrer WM, dass erst nach drei Stunden die Endwertung feststand, zwar zu verstehen, viel besser ging es aber dann später nicht.

Neue Materialien
Gefahren wurde in drei Bootsklassen: Faltboot, Kanadier Einer und Kanadier Zweier. Letztere waren aus Holz, doch erschienen schon 1955 die Franzosen mit Kunststoffbooten in dieser Klasse. Das Faltboot hielt sich noch bis 1963, der WM, bei der der letzte Bewerb im Faltboot durchgeführt wurde.
Parallel am gleichen Ort wurden bis in die 80 Jahre die Abfahrtsbewerbe ausgetragen und es war normal, dass die Athleten beide Bewerbe fuhren. Kurt Preßlmayr, Forelle Steyr, war der sechste österreichische WM-Titelträger im Slalom und das 1965 in einem Eigenbau aus Kunststoff. Er gewann im gleichen Jahr auch die Regatta und dürfte wohl der einzige bleiben, der Slalom- und Abfahrtsweltmeister gleichzeitig wurde. 1953 war vor ihm noch Fritzi Schwingl aus Wien und nach ihm noch Norbert Sattler und Peter Fauster, beide vom KV Klagenfurt Einzelweltmeister. Zweimal - 1953 ( Grafetsberger, Steyr, Herbist, Wien, Sausgruber, Innsbruck) und 1971 ( Preßlmayr, Steyr, Sattler, Klagenfurt, Schlecht, Steyr) siegte Österreich in der Mannschaft.



1962 und 1964, Kurt Presslmayr von der 'Forelle Steyr' ist 4facher Weltmeister im Slalom und in der Regatta

Verbesserte Regeln?
Zu der Zeit waren die Regeln bereits mehr auf Dynamik im Renngeschehen aufgebaut, Rückwärtstore oder Barrieren gab es nicht mehr, aber die Fehlerbewertung mit Zehner, Zwanziger, 50er und 100er trug noch immer nicht der tatsächlichen Qualität des Fahrers Rechnung. Gewertet wurde nach wie vor nur der beste Durchgang.
Auch die heutigen Regeln, die nur mehr 2er und 50er Bestrafungen vorsehen, die das Unterschneiden von Torstangen erlauben und nach denen beide Durchgänge zusammen gewertet werden beeinträchtigen noch immer die objektive Fairness des Bewerbes.
Schon längst hätte meines Erachtens die Gestaltung der Tore selbst so geändert werden sollen wie es anlässlich unseres (Aumayr -Steinwendtner) ersten Reformversuches 1978 * in Lofer in Form des Grand Prix gezeigt wurde: die Stäbe, damals Kunststoffstäbe von den Skifahrern, hängen starr mittels eines Kastens befestigt, bis ins Wasser. Die Berührung von innen hat keine Strafpunkte zur Folge. Ein Verfehlen führt zu Disqualifikation. Nur so kann der Einfluss von Wind und Wasserpulsierung ausgeschaltet und damit die reine Leistung des Fahrers fair bewertet werden. Die fantastischen Leistungen der heutigen Sportler verdienten mehr Begeisterung und Beachtung und dafür ist schnelles Verstehen und Fairness der Regeln eine Voraussetzung. Zwei Strafpunkte beim Hauch einer Berührung, die oft nicht aus dem Verschulden des Fahrers kommt, verdreht die wahren Kraftverhältnisse in einem Sport, der wie so viele die Zeitunterschiede nur mehr im Zehntel- und Hundertstelbereich hat. Immerhin wurden die Berührungspunkte seither stark verringert und auch die Forderung nach dem Zusammenzählen der Laufzeiten wurde erfüllt.
Aus den einfachen Anfängen im vorigen Jahrhundert mit den langsamen Faltbooten und den schwerfälligen Kanadiern wurde ein unglaublich rasanter, fast artistischer Bewerb, der auch seit 1972 (mit 20jähriger Unterbrechung) olympisch ist. 2008 wurde erstmals seit 1933 (!) die Länge der Boote verkürzt, was wohl zu veränderten Streckenführungen und nochmaliger Temposteigerung führen wird.
Die Fernsehübertragungen mit eingeblendeten Zeiten und Fehlern zeigten wunderbare Bewerbe auf total künstlichen Anlagen, die man sogar (Athen) auf ein ehemaliges Flugfeld gestellt hat und angeblich gehörten die Übertragungen bei Olympischen Spielen zu den von den meisten Ländern gewünschten. Eine Voraussetzung für internationale Bewerbe ist heutzutage diese permanente künstliche Slalomstrecke, die wir leider in Österreich noch nicht haben. Allerdings könnten auch bei uns wie in Frankreich beim Verbauen der Flüsse durch Kraftwerke sehr leicht und kostengünstig ähnliche Strecken entstehen, wenn dafür der politische Wille da wäre.
Ebenso nötig ist in unseren Tagen ein Ganzjahrestraining für die Weltklasse und selbstverständlich müssen die Sportler Profis sein, denn das Training und die Rennen sind ganzjährig in aller Welt. Und daher spielt Geld immer mehr Rolle in der Vorbereitung und in der Betreuung.
Heute sind bei einer WM bis zu 80 Nationen am Start - 1951 waren es elf -und die Anzahl der Teilnehmer machen, Qualifikationen, Semifinale und Finale nötig. Bei Weltcuprennen sind oft bis zu 150 Teilnehmer in einer Klasse am Start und man kann sagen, dass in fast 8 Jahrzehnten der Slalom in der Sportwelt eine dominierende Rolle spielt wenngleich auf dem Wilden Wasser immer neue Bewerbe ins Leben gerufen werden.
PS: Neue Regel: es wird wieder der beste von Durchgängen gewertet.

* "Plädoyer für eine Weiterentwicklung des WW Slalom" in Österreichs Kanu-Sport 9/10 1978

(Quellenangabe: Österreichischer Kajaksport Nr. 2/ V. Jahrgang vom 18.5.1935 M.Vogt,W.Raabe, Der Wasssersportfreund Nr. 6/7 1935, Kanusport Nr.21 1983 R.Renner, Österreichs Kanusport. April, Mai, Juni 1984, R. Meisinger)

Salzburg, Juni 2011
Dkfm. Wolfram Steinwendtner ist OKV-Vizepräsident


Die Anfänge des deutschen Kanuslalom

Wer von den alten Kanusportlern denkt nicht gern zurück an die ersten Anfänge des Kanu-Slaloms? Wem aber ist bewußt, dass es schon oder erst 20 Jahre her ist, seit dem Tage, an dem zum ersten Male farbige Stangen und Scheiben über den Wellen der Mulde aufgehängt wurden? Wenige hundert Meter oberhalb der heute zu den stärksten Naturstrecken zählenden Zwickauer Wettkampfstrecke startete im Frühjahr 1936 ein kleines Grüppchen Kanusportler zum ersten deutschen Kanu-Slalom. Freilich ging es anders zu als heute, breit waren die Tore und schwerfällig die Boote. Eins aber ist damals wie heute dasselbe geblieben: die Begeisterung der Sportler für ihre Sportart, das Überwinden aller Schwierigkeiten und das Streben der Älteren, der Jugend Möglichkeiten zu schaffen, diesen schönen Wettkampfsport ausüben zu können.

Viele Sportler und Funktionäre kamen und gingen, einer aber ist damals wie heute der Initiator und Repräsentant des deutschen Kanu-Slaloms:
V e r d i e n t e r M e i s t e r des S p o r t s
R u d i L a n d g r a f. Er war es, der 1936, nachdem er über Wlalom-Wettkämpfe auf dem Wasser in der Schweiz gelesen hatte, sofort daran ging, auch in Deutschland diese Sportart zu entwickeln und zu fördern. Unermüdlich stellte er Jahr für Jahr seine ganze Freizeit zur Verfügung, organisierte und war selbst einer der erfolgreichsten Wettkäpfer und ruhte nicht eher, bis überall in Deutschland die Begeisterung für diese neue Sportart blühte.

Schon 1937, also nur ein Jahr später, sah Zwickau den ersten internationalen Wettkampf, der Erfahrungen genug erbrachte, um darauf die ersten internationalen Wettkampfregeln aufzubauen. Rudi Landgraf zur Seite stand, wie noch heute, wenn es in Zwickau einen Slalom zu organisieren gibt, treu und arbeitsfreudig H e i n r i c h G r e i m. Aber noch ein Name soll erwähnt werden, ohne dadurch das Verdienst vieler Pioniere des Slalomgedankens schmälern zu wollen.
W i l h e l m E n g e l b r e c h t, der leider dem zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel [Anmerkung: gestorben in der Kriegsgefangenschaft in Kursk 1946]. Ihm gelang es, in enger Zusammenarbeit mit Rudi Landgraf, den Kanu-Slalom auf die Flachlandgewässer zu verpflanzen, auf Strecken, die erst nach starker Veränderung des Flussbetts Wettkämpfe zuließen oder auf denen das Ausstecken der Hindernisse eine kleine Wissenschaft für sich wurde.

1938 startete der erste Flachland-Slalom auf der 'Wilden Saale' in Halle und fand sehr bald in Mitteldeutschland starke Verbreitung. Nun stiegen die Zahlen der Wettkämpfe unablässig. (Quelle: DKSV Kanu-Sport 3, Jahrgang 4, 1956)


Wegbereiter des Kajakslaloms in Deutschland

Ferdinand Staelin, Vorsitzender des IKSA und erster Kajakslalomreferent im DKV, war der geistige Vater des Kajakslaloms in Deutschland. Im Bereich der Organisation und des Streckenaufbaus taten sich besonders C.I.Luther (München), Rudi Landgraf (Zwickau), Alfred Waldheim (Breslau), Theo Bock, Max Schmid und Hugo Schmidt (alle München) hervor. Letzterer machte sich insbesondere mit Berichten im Kanusport über Strömungslehre und Kampfrichterschulungen und um die Theorie im Slalomsport verdient.
Wer aber waren die Männer und Frauen in den Booten und auf dem Wasser? Die Nr. 1 war eindeutig Rudi Landgraf, es folgten Renz (Ulm) und Wunderlich (Glauchau), Tussing (Düsseldorf), Linsmaier (München), Gächter, Hofmann (beide Ulm) und Sonntag, Hartinger, Hammermüller, Uhlmann (alle Müchen). Beim schwachen Geschlecht, die beim ersten Wettkampf (München, 29.08.1937) überhaupt nicht mit der Strecke zurechtkamen wäre zu nennen: Kemeter (München), Landgraf (Zwickau), Wohlschlager (München), Hartig (Glauchau) und Ott (Ulm).
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden dem DKV, oder wie er nach einer Neuorganisation des deutschen Sportes hieß: Fachamt Kanusport, die Slalommänner der ersten Stunde eingegliedert: Brunner, Meisinger (Wien), im Bereich der Organisation und die Sportler Kalisch (Enns), Vogler, Popovich, Floh und Frühwirth (alle Wien).
Mit dem Jahr 1938 war dem Kajakslalom der endgültige Durchbruch gelungen. Im Jahre 1939 wurden im Gebiet des Deutschen Reiches bereits 14 Slalomwettkämpfe, davon 2 internationale in Zwickau und München sowie Jugendmeisterschaften im Kajakslalom in Ulm ausgerichtet.
Eine Deutsche Meisterschaft gab es in diesen Jahren noch nicht. Erst ab dem Jahre 1941 wurden bei mehreren Wettkämpfen in Zwickau, München und Steyr sogenannte Reichsbeste ermittelt.
Der ungeahnten Entwicklung im Slalomsport sezte der 2. Weltkrieg ein vorläufiges Ende. Erstaunlich sind trotzdem die statistischen Zahlen der letzten Kriegsjahre. 1940 wurden 17 Slalomveranstaltungen ausgerichtet. 1941 stieg diese Zahl auf 31 und 1942 auf 37 an. Noch im vorletzten Kriegssommer fanden 29 Slalomveranstaltungen statt.
In den Jahren 1944 und 1945 wurden im Deutschen Reich praktisch keine Kanusportveranstaltungen ausgerichtet. Die Träger unserer Sportart waren an der Front und wurden für Sportveranstaltungen nicht mehr beurlaubt. (Quelle/Aufsatz: 50 Jahre Kanuslalom, Autor und Jahr unbekannt)


Eine Kajak-Slalom-kritische Betrachtung

Die kanusportlichen Wettkämpfe des Jahres 1937 zeichnen sich durch Vielseitigkeit aus. Nach der Ausrichtung des Kanusportes auf die olympischen Regatten im Jahr 1936 kommen jetzt auch wieder alle die anderen Wettkampfarten stärker zum Wort. In verschiedenen Gauen wurden Patrouillenfahrten veranstaltet, Schlesien meldete einen neuartigen Kanuwettkampf und die Gaue Sachsen und Bayern führten Kajak-Slalom-Wettkämpfe durch.

Vor Jahresfrist ohne einheitliche Wettkampfbestimmungen hat sich diese neue Art kanusportlichen Wettkampfes im Jahr 1937 einen großen Kreis von Anhängern erworben. In Deutschland am 2. Mai erstmals in Zwickau als internationale Veranstaltung ausgetragen, in der Tschechoslowakei am 9. Mai und in Italien am 27. Juni durchgeführt, hat sich der Kajak-Slalom in kürzester Zeit auch im internationalen Kanusport durchgesetzt.

Als wir in München auf dem Floßkanal am Vormittag des 27. Juni, des Tages der Deutschen Faltbootmeisterschaften, den 1. Münchner Kajak-Slalom unternahmen und ein ungemein hoher Prozentsatz selbst bester Wildwasserfahrer an der schweren Wertungsstelle des 'Schauckelpferdes' aussteigen mußten und damit aus dem Wettkampf ausschied, da konnte man verschiedentlich den treffenden Ausdruck 'Gemein, aber fein' hören. Wir haben hier bei diesem Kampf auf der mit Wertungsstellen gespickten Floßkanalstrecke zum erstenmal in der Geschichte des Kajak-Slaloms feststellen müssen, daß man auch zu viel der Schwierigkeiten bringen kann. Es soll nicht heißen, daß man die Strecke wesentlich leichter legen muß. Durch die Länge der Kampfbahn (1200 Meter) und die rasche Aufeinanderfolge der Wertungsstellen waren die Wettkämpfer zum Teil so ermüdet, daß sie nicht mehr die Möglichkeit hatten, die gegen Ende der Kampfbahn liegende schwerste Wertungsstelle noch fehlerfrei zu durchfahren. Eine ähnliche Erscheinung ergab sich beim Zwickauer Kajak-Slalom vom 2. Mai, wo eine lange Stromaufstrecke für die Fahrer notwendig war, die eine Wende schlecht genommen hatten und dadurch weit stromab trieben. Hier wie dort schieden durch die Härte einzelner Kampfbahnabschnitte beste Fahrer aus. Wir werden aus diesen Erwägungen heraus in Zukunft die Wettkampfstrecken allgemein nicht über 800 Meter lang machen dürfen, selbst wenn wir dadurch - wie z.B. auf der Floßkanalstrecke - auf eine Floßgasse als Wertungsstelle verzichten müssen.

In Zwickau und auf der tschechoslowakischen Schwarza bei Brünn hatten wir den freien Flußlauf als Wettkampfstrecke, in München und beim italienischen Kajak-Slalom bei Mailand Kanalstrecken mit darinliegenden, durch küstliche Einbauten hervorgerufenen Schwällen und Floßgassen. Daß freies Flußbett mit seinen Wechsel idealer ist als kanalisierte Strecken, liegt auf der Hand. Aber selbst auf Strecken mit glatten Ufern lassen sich durch Markierungsbehelfe all die Möglichkeiten schaffen, womit ein routinierter Fahrer auf dem Wildfluß rechnen muß Das hat sich auf der Münchner Strecke, mit ihren Seilfährenstück, mit ihren Schrägtoren usw., deutlich gezeigt.



Eine strenge Punkterichterin inmitten aufmerksamer Zuschauer; es ist unsere Mitarbeiterin Maria Kirchgeßner




Und nun zu den Fahrern.
In allen Fällen haben wir es mit Ausnahme der österreichischen und bis zu einem gewissen Grad auch der sächsischen Kameraden mit Kajak-Slalom-Neulingen zu tun, die alle mit großem Idealismus an die Sache herangingen, aber die Schwierigkeit eines Kajak-Slaloms weit unterschätzten.

In Zwickau waren die beste deutsche Wildwasserfahrer am Start, Leute, die Erstbefahrungen in Jugoslawien und Südfrankreich hinter sich hatten, die aber hier gänzlich versagten. In München mußten eine ganze Reihe bester Isarkenner und bester Wildwasserleute infolge Kenterung ausscheiden. Woran liegt dies? Man hat die Beobachtung machen können, daß ein Großteil der Fahrer den plötzlichen Übergang vom Stau zur reißenden Strömung nicht ertragen kann und hier kentert. Wie oft kommt uns auf schwerstem Wildwasser eine ähnliche Lage vor? Wer hat noch nicht im Stau gelegen hinter einem Felsblock und mußte sein Boot ebenso wie an diesen Kajak-Slalom-Wertungsstellen plötzlich hinaus in die reißende Strömung steuern? Hier zeigten beim Münchner Kajak-Slalom z.B. die Ulmer Fahrer eine bemerkenswerte 'Standsicherheit', die zweifellos von ihren vielen Fahrten um die breiten Widerlager der Ulmer Eisenbahnbrücke herrrührt.



Zwischenfall im 'Schaukelpferd'

Wie oft ist schon geschrieben worden, 'beim Kajak-Slalom kommt es weniger auf das wilde Darauflosfahren als auf überlegtes Fahren an', und was konnte man bei unseren deutschen Kajak-Slaloms zuweilen sehen! Wild darauf losgeschossen, Wertungsstellen überfahren, mit Zeitverlust wieder stromauf oder aus Kraftmangel keine Möglichkeit mehr, eine überfahrene Wertungsstelle zu wiederholen und damit: Ausscheiden. Auch hier haben wir Musterbeispiele des vorbildlichen Fahrers. Von den Münchner Fahrern sei der junge Kemeter genannt, der allerdings unter nicht ganz vorschriftsmäßiger Anleitung seiner Mutter die Wertungsstellen ruhig und sicher anfuhr und die meisten auch sicher meisterte. Den sächsischen Fahrern kam hier ihre Kajak-Slalom-Erfahrung zugute. Wunderlich wie Landgraf fuhren sicher und mit Ruhe an. Sie, die sie die Isar erst am Tag vor dem Wettkampf kennenlernten, meisterten all die Strömungswechsel vorbildlich und fuhren die meisten Wertungsstellen rein, ebenso wie der junge Münchner Kajak-Slalom-Säugling Linsmaier, der sich mit seiner Leistung einen zweiten Platz erringen konnte.

Um zur internationalen Klasse der österreichischen Garde aufrüsten zu können, brauchen wir Geduld und eiserne Arbeit an uns selbst. Das werden jetzt noch den den beiden Kämpfen in Deutschland, bei denen aus zahlreichen Gauen des Reiches Wettkämpfer erschienen waren, alle Beteiligten wissen und sich danach richten. Und wenn im nächsten Jahr das Fachamt Kanusport zu neuen Kajak-Slalom-Wettkämpfen aufruft, dann werden sich bestimmt noch mehr Kämpfer am Start einfinden und die Leistungen werden bis dahin größere geworden sein. Dann werden wir auch die Möglichkeit haben, von Jahr zu Jahr die Kampfbahn schwerer auszustecken. Die Mädels von der Zunft der Kajak-Slalom-Fahrer mögen aber jetzt schon die Gewißheit mitnehmen, daß wir sie nicht mehr über den gleichen harten Weg schicken, den ihre Kameraden nehmen müssen.

Text: Ferdinand Staelin, Fotos: Cil und Hus
Kanu-Sport, 1937, S.422-423.


Mittelländer Kanu-Club Aarau/Schweiz

Der Mittelländer Kanu-Club (damals Faltbootklub Mittelland) richtete 1933 den weltweit ersten Kanuslalom aus. 1948 folgte die Organisation des ersten Wildwasser-Abfahrtsrennen und 1977 die Durchführung des ersten Akrobatik Wettbewerbs.
www.mika-aarau.ch



1. Slalom-Weltmeisterschaften 1949 in Genf/Schweiz (Fotos: 50 Jahre ICF)


1976, DKV-OlympiateilnehmerInnen in Montreal


1973, Weltmeisterschaft auf der Muota in der Schweiz / Nationalteam aus der BRD




1934, der Kanusport ist olympisch geworden

Der olympische Kongreß in Athen hat einen für die weitere Entwicklung des Kanusports in Europa außerordentlich wichtigen Beschluß gefaßt. Er hat den Antrag der Internationalen Repräsentation für Kanusport stattgegeben und damit den Kanusport zum olympischen Sportzweig erhoben. Auf der Olympiade 1936 in Berlin werden nunmehr auch Kanurennen ausgefahren und endlich winkt auch den Kanufahrern die höchste sportliche Auszeichnung.
Dieser Erfolg ist nicht zuletzt ein deutscher Erfolg, denn der Deutsche Kanu-Verband steht weitaus an führender Stelle im internationalen Kanusport. Er ist ferner ein Erfolg von Dr.Max Eckert, dem Führer des Deutschen Kanu-Verbandes und der Internationalen Repräsentation für Kanusport, der sich sofort nach Übernahme der Leitung des D.K.V. und der I.R.K. im Jahre 1931 mit der ihm eigenen Zähigkeit und Tatkraft an die Erreichung des hohen Zieles machte, den Kanusport in das olympische Programm einzureihen. - Der olympische Kongreß 1932 in Wien lehnte den Antrag der I.R.K. ab. Der gewaltige Erfolg der Europameisterschaften 1933 in Prag, die Vergrößerung der I.R.K. auf 17 Nationen gaben dem für Athen neu eingereichten Antrag die beste Grundlage für die Annahme. Der Beschluß des olympischen Kongresses in Athen sichert dem Kanusport einen neuen großen Aufstieg, sowohl in Europa als in Amerika, wahrscheinlich auch in den übrigen Erdteilen, in denen er über die ersten Anfänge noch nicht hinauskommen konnte.
(Quelle: Österreichischer Kajaksport 1934)


Faltbootregatta auf der Enns

Angeregt durch Altmeister Pitschmanns rege Propaganda für den Kajaksport auf der wilden Enns veranstalteten die rührigen Germanen in Steyr am diesjährigen letzten Septembersonntag eine gelungene Faltbootregatta auf der ungefähr 30 km langen Strecke Losenstein-Steyr.
Trotz des sehr kurz gewählten Nennungstermines hatte sich hierzu eine ganz ansehnliche Paddlerschar eingefunden.
Aus Bayern waren vier Herren und eine Dame vom Klub der Münchner Kajakfahrer, ferner drei Herren der Münchner Faltbootabteilung des Münchner Männer-Turnvereins gekommen. Ihrem Führer, dem als schneidigen Onkel Alfons bekannten Fahrwart Heinzinger, hatte die kurzsichtige Salzburger Paßbehörde den Grenzübertritt (angeblich wegen seines verwaschenen und daher unleserlichen Reisepasses) verweigert.
Von Wien waren außer Oberkommisär Pitschmann noch die zwei Meisterschafts-Senioren des Rudervereins Pirat, Wagner und Solomon, sowie die österreichische Schwimm-Meisterin Frau Reißner und ihr sieggewohnter Gemahl, erschienen.
Aus Linz nahm Meister Weinzinger, der Gründer des Schnecken-Kajakklubs, mit einem Mitglied teil.
Die meisten Teilnehmer trafen bereits Samstag in Steyr ein, wo sie von den gastfreundlichen Germanen schon am Bahnhofe herzlich begrüßt und in bereits vorbereitete Bürgerquartiere geleitet wurden.
Für das Bootgepäck der Teilnehmer war gegenüber dem Bahnhofe eine praktische Gepäckablage eingerichtet.
Der Abend versammelte Gäste und Gastgeber in der reich beflaggten Stammkneipe des Germanen-Rudervereins zur festlichen Begrüßung und gemütlichen Unterhaltung. Es verlautet, dass die Turmuhren der alten Eisenstadt schon klein und dann größer geschlagen hatten, als die letzten Teilnehmer, singend und in brüderlicher Umarmung, heimwärts zogen.
Nichtsdestoweniger war alles pünktlich am Bahnhofe versammelt, als um 7 Uhr früh der Zug die Teilnehmer nach Losenstein hinauf zum Start abholte.
Nach der Ankunft entwickelte sich dort auf einer knapp am Flusse gelegenen Wiese ein fröhlicher Aufbauwettbewerb außer Konkurrenz, den die flinken Münchner haushoch für sich entscheiden konnten. Punkt 10 Uhr erfolgte der Start des ersten Kajaks, dem nun in Abständen von je einer Minute die anderen Boote folgten. Von prächtigem Wetter und hohem Wasserstande (+1,1 m) begünstigt, kamen fast alle Teilnehmer anstandslos über die stellenweise sehr felsige und stromschnellenreiche Strecke.
Nur die Deckabschlüsse (die sich sonst auf Donau, Inn und Isar vorzüglich bewährt hatten) vermochten den heimtückisch wilden Ennswellen nicht einwandfrei standhalten, so dass die meisten Teilnehmer zum öfteren 'Auswassern' genötigt wurden.
Das große Interesse, welches die Ennstalbewohner der 1. Wildwasser-Regatta entgegenbrachten, bewiesen die mit Zuschauern dicht gefüllten Brücken und Ufer vom Start bis zum Ziel.



1. Enns-Kajakregatta, Startplatz in Losenstein

Die Resultate waren folgende:

Einerkajak (Leinenhaut):
1. J. Pitschmann (Wien), 1 Std. 50 Min. 36 S.

Einerkajaks (Gummihaut):
1. O. Hertsch (München), 1 Std. 40 Min. 24 S.
2. P. Sackler (München), 1 Std. 42 Min. 10 S.
3. H. Pairleitner (Steyr), 1 Std. 51 Min. 54 S.
4. J. Krammer (Steyr), 1 Std. 58 Min. 2 S.

Gemischter Zweisitzer:
1. Frau A. Rayer und Herr Hirschmann (München) 1Std. 44Min. 45S.
2. Frau und Herr Reißner (Wien) 1 Std. 58 Min. 35 S.

Quelle: Kanu Sport illustrierte Zeitschrift für das gesamte Kanuwesen, 7. Dezember 1922, 3. Jahrg., Nr. 38, S. 22


II.Ö.K.V.-Regatta in Wien



Am Ziel bei der Yagrauer Brücke


Zu der vom 'Unteren Donaureise' des Ö.K.V. am 5. und 6. August 1922 in Wien veranstalteten Kajak-Regatta waren insgesamt 62 Nennungen eingelaufen, darunter 2 aus Heidelberg, 4 aus Forst (Lausitz), 3 aus Leipzig, 16 aus Linz und 12 aus Graz. Leider ist es dem Verbande nicht möglich gewesen, entsprechende Holzboote beizustellen, so dass viele auswärtige Bewerber auf die Teilnahme verzichten mußten.
Den Löwenanteil an Preisen holten sich die Linzer (Tri und Schnecke), welche nebst den ausgeschriebenen 3 Meisterschaften auch noch 3 erste und 2 zweite Preise errangen. Heidelberg und Wien erwiesen sich als nahezu gleichwertig. Besondere Beachtung fanden auch die Leistungen der Grazer Damen und Herren, die ausschließlich in selbstgebauten, rauhhäutigen Wanderkajaks antraten, nachdem sie am ersten Tage der Konkurrenz noch eine weite Donaufahrt zurückgelegt hatten.
Forst musste in geliehenen Tourenbooten antreten und kam dadurch gegen die Rennboote der Linzer Mannschaft nicht auf.
Quelle: Kanu Sport illustrierte Zeitschrift für das gesamte Kanuwesen, 24. August 1922, 3. Jahrg., Nr. 28, S. 342-343






Ansichtskarte aus den 1920er Jahren


© Ilse Entner